„Setz dich, Edwin,“ bat die Mutter, „setz dich, mein liebes Kind, und ruh’ dich aus, es wird dir sonst zuviel für den ersten Abend.“ Und sie führte ihn zum Sofa und legte ihm vorsichtig ein Kissen in den Rücken.
„Wie schön ist es daheim bei dir, Mutter,“ sagte er und griff dankbar nach ihrer Hand. — „Wie schön!“ Er lehnte sich müde zurück und sah sie leuchtenden Auges an.
„Nimmt der Edwin seiner Mutter alle weichen Kissen weg,“ flüsterte Theobald. „Na, wenn ich einmal nach Hause käme, und es wär’ vom Krieg und ich hätt’ eine Kugel im Rücken und könnt’ nur auf einem Bein herumhuppen, soviel weiß ich, meiner Mutter nähm’ ich die Kissen nicht weg. Wie unmännlich! — Komm, Hans, an die Gewehre,“ fuhr er dann fort. — Sie kehrten zu der Mumie zurück.
Toni und Suse blieben auf ihrem Beobachtungsposten stehen und gewahrten, wie Frau Cimhuber sich neben ihrem Sohn niederließ.
„Gelt, Edwin?“ fragte sie, seine Hand nehmend, „nun bist du doch auch glücklich? Schwer ist dein Beruf. Aber es geschieht ja zur Ehre des Herrn. Nicht jeder kann ein großer Künstler werden. Und es ist ja auch der Wunsch deines Vaters immer gewesen, daß du Missionar würdest, und du bist doch auch glücklich? Nicht wahr? Vielleicht hättest du ja ein großer Künstler werden können. Aber so führst du doch ein reicheres, gottwohlgefälligeres Leben?“
Er hustete, und man merkte ihm wohl an, wie erschöpft er war. Dann sagte er einfach: „Ja, Mutter.“
„Er wollte Künstler werden,“ flüsterte Toni, „genau wie ich. Aber ich glaube, es wird nichts draus. Der Vater will nichts mehr davon hören. — ‚Schwamm drüber‘, hat er gestern gesagt.“
Suse hörte nicht zu. Sie stand noch immer da mit gefalteten Händen und strahlenden Augen.
Wie schön, wie schön hatte Herr Edwin gegeigt. So schön wie sonst niemand auf der Welt!
Jetzt sah Toni, wie im Nebenzimmer die Tür zum Gang aufging und Ursel eintrat. Sich mit ihrer Küchenschürze die Augen abwischend, sagte sie: „So schön hat der Herr Missionar gespielt, so schön, ich habe gemeint, die Orgel geht am Sonntag in der Kirche.“