Wie ein Schauer ging es zuweilen durch sie durch, als er von der Größe und Schönheit von Gottes wunderbarer Welt sprach, und eine große Sehnsucht nach der Ferne kam über sie. —
Das war ja alles viel, viel tausendmal schöner, als sie sich vorgestellt hatten.
Da redete Herr Edwin aber mit einemmal von ganz anderen Dingen, und die Mienen der Kinder verdüsterten sich. Von den armen, elenden Menschen in den Tropenländern sprach er, die zuweilen ein Leben führten, schlimmer als die Tiere, die verkamen in geistiger und leiblicher Not. In ihrer Angst errichteten sie sich selbst Götter, aber was für Götter! Jammerbilder, Fratzen, sogenannte Fetische, die zuweilen nichts anderes waren als ein Stück bemalten Holzes oder bemalten Steines.
„Dort die Figur in der Ecke,“ meinte Herr Edwin, auf das Negergöttlein auf seinem Ständer zeigend, „ist ein ganz besonders schöner Gott, verglichen mit vielen andern, die ich gesehen habe. — Ein wirklicher Staatsgott!“
„Ein Staatsgott?“ sagte Suse ungläubig.
Hans mußte das Lachen verbeißen, wenn er an den drolligen Wicht dort hinten in der Ecke dachte, dem der rechte Mundwinkel herabhing, als hätte er jahrelang eine Tabakspfeife drin gehalten und könne die Lippen nun nicht mehr heraufziehen.
„Den beten sie an?“ fragte Suse erschreckt.
„Ja, das ist ihre Gottheit!“ sagte Herr Edwin fast schmerzlich. „Ein solches Stück Holz ist ihr Gott.“ — „Ach, wie leiden sie unter dem Aberglauben!“ fuhr er fort. „Sie glauben sich von hunderten von bösen Dämonen umgeben. Das sind die Seelen der Verstorbenen, die sie Tag und Nacht verfolgen und nur auf Greuel sinnen. — All ihr Unglück schreiben sie ihnen zu, alle ihre Krankheiten, und dabei ist es doch nur die eigene Unsauberkeit und Unwissenheit, die ihre Krankheiten begünstigen.“ —
Der Herr Missionar erzählte nun den Kindern einzelne Fälle von besonders unglücklichen Menschen, die er kennen gelernt hatte.
Hans und Suse rückten mit ihren Stühlen immer näher an den Erzähler heran, fast auf ihn drauf.