Auch Hans sah begeistert zu ihm hin. Da verdüsterte sich aber Susens Miene wieder und sie beichtete stockend: „Ich hab’ aber immer gedacht, Herr Missionar, wenn ich einmal Missionarin bin, möchte ich dafür schöne Sachen aus fremden Ländern haben.“

„Aber, Suse!“ rief die Pfarrfrau entsetzt.

„Nun,“ sagte der Missionar ganz ruhig, „das ist gar nicht so schlimm. Du kannst auch schöne Sachen dafür haben. Ich glaube aber, du wirst selbst bald einsehen, daß die im Grunde nebensächlich sind, und daß deine schönste Belohnung das Gefühl ist, den Menschen geholfen zu haben.“

„Helfen wollte ich immer, Herr Missionar,“ sagte Suse mehr flüsternd als redend.

„Die Helferei kenn’ ich,“ murmelte Ursel. Aber keiner hörte auf diesen Einwurf. Die Kinder achteten nur auf Herrn Edwin, der jetzt sagte: „Das ist ein schöner Vorsatz, den du da gefaßt hast, Suse, andern zu helfen und Gutes zu tun. — Die Welt ist ja so groß, und für jeden ist Platz drin, der etwas Tüchtiges und Gutes leisten will. Auch ihr könnt helfen. Ihr müßt nur die Zeit in euerer Jugend anwenden, damit ihr was lernt und hernach auch was könnt. Denn wer selbst nichts kann, kann auch andern nicht helfen.“

„Das hat auch unser Vater schon gesagt,“ fiel Hans ein, „wenn ihr andern helfen wollt, müßt ihr erst selbst was können.“

Herr Edwin nickte und erzählte weiter, und die beiden hingen jetzt mit doppelter Begeisterung an seinen Lippen, denn sie hatten die stolze Empfindung, daß auch sie ein Recht hätten, dermaleinst große Taten zu vollbringen wie Herr Edwin.

„Sehen Sie, Ursel!“ sagte Suse vor dem Zubettgehen strahlend zu der alten Magd. „Ich kann auch Missionarin werden. Der Herr Edwin hat’s gesagt.“

Ursel seufzte und sagte: „Wenn’s der Herr Edwin gesagt hat, wird’s wohl stimmen.“

Lange konnten die Geschwister heute abend nicht einschlafen. Herrn Edwins Worte beschäftigten sie noch immer, und sie hatten ein Gefühl, als wären sie heute ein paar Jahre älter geworden und wüßten mehr als andere Leute. Die Welt erschien ihnen so groß und wunderbar wie nie zuvor.