Von Tag zu Tag schlossen sich die Kinder nun mehr an den Besucher an und hörten manches gute Wort von ihm, das sie nicht so leicht vergaßen. Fast täglich sah man sie, glühend vor heimlicher Freude, an seiner Seite durch die Straßen gehen. Wer konnte sich auch rühmen, mit einem richtigen, leibhaftigen Missionar spazieren zu gehen, der so viele fremde Länder kannte, und so viel zu erzählen wußte? — Auch lustige Dinge berichtete er ihnen hin und wieder. Ach, einmal war sogar ein Neger, der nicht mehr viel sah, zu Herrn Edwin gekommen und hatte ihn gebeten, ihm ein paar Hunde- oder Katzenaugen einzusetzen, damit er wieder besser sehen könne. —
Leider verging die schöne Zeit, in der Herr Edwin da war, nur allzu rasch. Nach ein paar Wochen schon, als er sich erholt hatte, ging er wieder fort. Hans und Suse begleiteten ihn allein zur Bahn, da die Pfarrfrau, von Abschiedsschmerz überwältigt, ihm das Geleite nicht geben konnte. Sie hatte eine Ahnung, daß sie ihn nie mehr wiedersehen werde.
Hans sah auf dem Gang zur Bahn finster drein, um seine schmerzlichen Gefühle zu verbergen. Suse weinte zum Herzzerbrechen. Sie ließ es sich nicht nehmen, Herrn Edwins Geige bis zuletzt zu tragen und eigenhändig in das Gepäcknetz über seinen Platz zu legen.
Noch einmal drückte er ihnen die Hand zum Abschied und sagte: „Ich bitte euch, bewahret euer reines Herz und bleibet immer gut!“
Dann fuhr er davon. —
Sie sahen ihn niemals wieder. Eines Tages starb er in den fremden Ländern, von denen er Hans und Suse so viel Wunderbares erzählt hatte, und wurde dort im Schatten einer Palme begraben.
Aber das geschah alles zu einer Zeit, als die Doktorskinder nicht mehr bei Frau Cimhuber weilten.
Fünftes Kapitel.
Christines Reise
Am nächsten Pfingstfest wurden Theobald und seine Geschwister von ihrem Onkel und ihrer Tante in das Doktorshaus eingeladen. Die Ferienzeit mit Hans und Suse verlief lustig, wie es zu erwarten war. Die ganze Gesellschaft tollte sich nach Herzenslust aus. Ausflüge in die Berge wurden gemacht, alte Bekannte im Dorf aufgesucht. Hans und Theobald strichen die Gartenmöbel an und besserten den Holzzaun des Vorgärtchens aus. Christoph und Henner machten gerade soviel dumme Streiche wie einst ihr Bruder Theobald vor Jahren.