Am letzten freien Tag waren die Kinder bei Christine, dem alten Mütterchen mit dem freundlichen, guten Gesicht zu Gaste gebeten. Punkt zwölf Uhr sollten sie bei ihr sein. Sie zögerten lange.
Da hörte sie endlich helles Lachen und das Laufen von vielen Füßen. Gleich darauf flitzen ein paar helle Köpfe am Fenster vorüber. Die Gäste waren gekommen.
In zwei Sprüngen nahmen sie die steinerne Treppe vor dem Haus und standen atemlos im Stübchen.
„Entschuldige, entschuldige,“ rief Suse, „wir konnten nicht eher kommen. Der Henner ist in den Brunnentrog gefallen und mußte sich erst trocknen und umziehen.“
„Wirst du dich auch nicht erkälten, Kind?“ wandte Christine sich an Henner und strich ihm über das noch feuchte Haar.
„Nein, nein, alles geht vorzüglich,“ meinte der.
Da trippelte sie in die Küche, um das Essen anzurichten.
„Kalbsbraten?“ fragte Suse ganz erstaunt, als sie in die Schüssel sah, die die alte Frau auf den Tisch stellte. — Das war ja ein Luxus, den sich die armen Gebirgsbewohner sonst nur an hohen Festtagen leisteten.
„Kalbfleisch?“ fragte sie deshalb noch einmal in vorwurfsvollem Ton.