„Umstände werden nicht gemacht,“ erklärte sie klipp und klar. „Honigbrot und Butterbrot bekommt ihr und jede zwei Tassen Malzkaffee. Und damit basta.“
„Das ist alles?“ rief Suse und faltete vor Schreck die Hände. „Ist das Ihr Ernst, Ursel? Aber denken Sie an, was das für einen Eindruck auf den Besuch macht. — Meine Freundinnen haben immer Marzipan und Kuchen und Biskuit und Schokolade und Schlagsahne, die reine Konditorei.“
„So, und da schämt ihr euch nicht und eßt das alles auf einmal auf?“ rügte Ursel. „Und das erzählst du mir auch noch? So ein Schwelgerleben steht noch nicht einmal im Kalender. — Sodom und Gomorrha werden nicht mehr lange auf sich warten lassen bei eurem Sündentrubel.“
Suse lachte hell.
Kaum hatte sie sich aber soweit vergessen, da bereute sie es auch schon; denn Ursel sah sie an wie die strafende Gerechtigkeit. Umsonst schmeichelte Suse jetzt: „Bitte, bitte, liebe Ursel, machen Sie mir doch einen Stärkepudding und zwei Napfkuchen. Hans und ich wollen auch eine ganze Woche lang kein Fleisch essen.“
Die Magd schwieg. Suse flehte weiter: „Wenn Sie wüßten, wie gut es die andern Mädchen haben im Vergleich zu mir, würden Sie barmherzig werden. Denken Sie sich, bei manchen gibt es auch süßen Likör und Blumensträußchen.“
„Blumensträußchen könnt ihr haben, soviel ihr wollt. Die könnt ihr euch im Walde holen. Dagegen hab’ ich nichts, aber Stärkepudding gibt’s nicht und keinen Kuchen.“
„Und in der Negerstube wird auch nicht getafelt. Eßt in deiner Stube.“
„Was,“ rief Suse, „fünfzehn Kinder kommen ja gar nicht in mein Zimmer rein. Das ist doch nicht fein für eine Einladung, daß man aufeinander sitzt wie die Heringe. Heutzutage ist alles für Licht und Luft. Meine Freundinnen werden krank vor Hitze in meinem kleinen Zimmer.“
„Ach was, so leicht wird sich’s nicht krank,“ meinte Ursel kaltblütig. „Eßt nicht zu viel und trinkt schön langsam und nicht so viel auf einmal, macht fleißig Durchzug mit Türen und Fenstern und trinkt kaltes Wasser von der Leitung, dann bleibt ihr frisch wie die Fische im Wasser.“