„Aber Ursel,“ rief Suse entrüstet, „glauben Sie, meine Freundinnen kommen zu mir, weil sie Wasser schlucken wollen wie die Fische. Die wollen doch unterhalten sein und was Feines essen.“ —

Das Doktorskind weinte.

Ursel blieb hart.

„Anderer Leute Kinder haben’s viel besser als wir,“ seufzte Suse etwas später zu ihrem Bruder.

„Warum nicht gar!“ rief der entrüstet. „Wer denkt denn an solche Sachen! Wer hat denn so gute Eltern wie du und ich?“

„Freilich, freilich, du hast recht,“ antwortete die Schwester kleinlaut, „aber sie sind ja so weit.“

Suse seufzte für sich allein weiter. Sie hatte große Bedenken, ob ihre Einladung auch schön genug ausfallen würde. Von jeher hatte sie es ja schmerzlich empfunden, daß die meisten Kinder ihrer Umgebung in glänzenderen Verhältnissen lebten, schönere Feste gaben und feinere Kleider anziehen konnten als sie selbst.

Hans und seine Freunde fragten viel weniger nach diesen Äußerlichkeiten. Was machte es aus, wenn einer der Knaben auch mal einen besseren Anzug anhatte als der andere! Das merkte Hans kaum. Außerdem fiel es ihm und seinen Freunden auch nicht ein, einander einzuladen oder mit schönen Dingen zu beschenken. —

Zum Glück hielten aber auch bei Suse die trüben Betrachtungen über des Lebens verschieden ausgeteilte Lose nicht lange an. Und sie sah voll geheimer Freude dem Fest, das sie ihren Mitschülerinnen geben wollte, entgegen. Von daheim traf zur rechten Zeit noch ein Paket mit Blumen und Gebäck ein und ließ Susens Herz vor Freuden hüpfen. Stolz konnte sie nun zur Schule gehen und ihre Einladungen dort verteilen. Jubelnd wurden diese von den Schülerinnen ihrer Klasse in Empfang genommen, weil sie wohl wußten, wie gar lustig es bei der muntern Suse hergehen werde. Nur einige von ihren Schulgefährtinnen überging Suse mit ihrer Einladung. Zu ihnen gehörte auch die schwarze Karla, das hübscheste, begabteste Mädchen der Klasse, dessen Eltern in glänzenden Verhältnissen lebten. Von jeher hatte dieses Mädchen Susens größte Bewunderung auf sich gezogen wegen ihrer Sicherheit, Schönheit und Klugheit. Aber gerade weil das Doktorskind jenen Stern unter den Schülerinnen so sehr bewunderte, hielt sie sich abseits. — Sie mochte sich nicht auch noch aufdrängen, wo schon so viele andere Schulgefährtinnen um die Gunst jenes Mädchens warben. Und dann fürchtete sie auch die Spottlust der schwarzen Karla. Denn als Suse vor Jahren aus ihrem kleinen Gebirgsdorf gekommen war, hatte niemand belustigter hinter ihr hergesehen, als jenes Mädchen.