Wissen Sie noch, in jener Zeit, Christine, als Sie mich im Bett versteckt haben, weil der Schmied mit dem Dreschflegel vor der Tür stand und mich versohlen wollte, weil ich seinem jüngsten Flachskopf auf den Kopf gespien hatte?“
Die alte Frau hatte sich noch immer nicht von ihrem Erstaunen erholt. — Hier war Hans, und da war Theobald, die beiden Knaben, und einer freute sich noch mehr als der andere. — War es denn kein Traum? — Merkten sie denn nicht, daß immerzu fremde Leute vorübergingen und zusahen, wie sie eine arme, alte Frau voll Liebe begrüßten. Die Knaben sahen es wohl, aber sie machten sich nichts daraus.
Da breitete sich langsam über Christines Gesicht ein glückliches Lächeln, und sie drückte Hans dankbar die Hand.
„Sie müssen natürlich bei uns zu Mittag essen,“ fiel Theobald hier ein, „meine Mutter hat schon immer gesagt: ‚Wenn Christine kommt, ladet sie ein.‘ Was wollen Sie auch bei der Cimberklinkerin und der Ursel? Ich sage Ihnen, das unzutunlichste Geschöpf meines Lebens. Die rechnet ja doch gleich nach, wieviel Margarine und sonstigen Tutti Frutti sie in die Pfanne tun muß, wenn Sie mitessen!“
Und mit diesen Worten hatte der Stadtvetter auch schon den Schirm der alten Frau ergriffen und Hans ihren Korb übergeben. Dann machte sich das seltsame Kleeblatt auf den Weg nach Hause.
„Eins, zwei, drei,“ kommandierte plötzlich Theobald, und die Knaben gingen in einen Polkaschritt über.
„Laßt doch, laßt doch,“ wehrte Christine, „das darf man ja nicht hier.“
„Was darf man nicht?“ rief Theobald, „alles darf man, was man will. — Wenn sich einer untersteht und seinen Mund auftut, so spieße ich ihm Ihren Paraplü mitten durch den Leib.“
Und nachdem der Stadtvetter also großspurig geredet hatte, wurde er wieder liebenswürdig und erkundigte sich nach allem aus Christines Heimatsort, nach ihrem Häuschen und ihrer Ziege, nach ihren Kartoffeln und Bohnen, selbst nach dem Reiserbesen, den er ihr in den letzten Ferien gebunden hatte. Und zuletzt steuerte er mit seinen Begleitern auf ein schmuckes Haus in einem großen Garten zu, indem er erklärte: „Nun wollen wir gemeinsam in unsern Wigwam einfallen.“
Damit öffnete er weit und einladend die Tür seines Vaterhauses...