Ein dankbarer Blick traf Suse, aber dem jungen Mädchen stieg eine heiße Röte in die Wangen, und schnell führte sie ihren Besuch zum Fenster, damit sie einen Blick in die schwindelnde Tiefe tue, wo die Menschen klein wie Mücken spazieren gingen. — Gerade beugte sich Christine voll Staunen über die Fensterbrüstung, da trafen laute Stimmen ihr Ohr und sie fuhr zusammen. Der Lärm kam aus der Negerstube, wo Herr Schnurr wieder einmal außer Rand und Band umherhüpfte, weil Hans aus lauter Freude über den Besuch seiner alten Kinderfrau zum Erbarmen spielte.

Als der Lärm lauter wurde, bekreuzigte sich Christine, nahm Suse bei der Hand und sagte gefaßt: „Komm, Kind, wir gehen, hier ist es nicht geheuer.“ Aber Suse hielt sie zurück und erklärte: „Ach, Christine, das ist ja nur Hans seine Geigenstunde.“

„Seine Geigenstunde?“ fragte Christine ganz verstört. — So was vermochte sie nicht zu fassen. —

„Wir wollen ihm helfen,“ sagte sie deshalb. „Das endet nicht gut.“

„Nein, nein, Christine, so geht’s immer. Zuerst ist Herr Schnurr oft wie außer sich, und hernach streicht er Hans über den Kopf Und sagt: ‚Brav, Büberl, mach’s das nächstemal wieder so.‘“

Trotz dieser zuversichtlichen Rede beruhigte sich Christine keineswegs. Bei jedem neuen Schelten fuhr sie zusammen. Ihren Schirm und Korb in der Hand stand sie auf dem Sprung da.

Ihre Angst vor der großen Stadt, wo alles drüber und drunter ging, wo man nicht ein noch aus wußte, wurde immer größer, und schließlich beschlich sie ein unheimliches Gefühl, als könne sie den weiten Weg nach Hause nicht mehr zurückfinden.

„Christine, gelt, du bleibst noch ein paar Tage bei uns?“ bat Suse.

„Nein, nein, ich will morgen wieder fort,“ sagte die alte Frau ängstlich. „Ich muß nach meiner Ziege sehen und nach meinem Garten.“