Der Pfarrfrau Urteil lautete im allgemeinen über der Kinder Charakter: „Gute, liebe Kinder.“

„Zu ausgelassen,“ setzte dann Ursel jedesmal hinzu, „zu ausgelassen. Am liebsten sprängen sie über Tisch und Stühle. Immer über Tisch und Stühle, vom Morgen bis zum Abend.“

Nun hatte ja allerdings niemand mehr, als gerade die alte Magd, unter der Ausgelassenheit der Kinder zu leiden. —

Wie oft geschah es, daß die zwei, als Antwort auf eine von Ursels Ermahnungen, die Predigerin ohne viel Federlesens auf ihre zum Sitz geschlungenen Hände setzten und mit ihr im Sturmschritt durch das Haus rannten! All ihr Schreien, all ihr Wehren nützte der alten Magd nichts. — Sie mußte eben aushalten. — In einer Redeschlacht zog Ursel erst recht den Kürzeren, namentlich der mundfertigen Suse gegenüber.

Wenn Ursel etwa anhub: „Zuviel Dummheiten macht ihr, zuviel Dummheiten. — Ihr wart eben von jeher zu sehr verwöhnt. Schon im Wickelkissen ist es euch zu gut ergangen,“ fiel Suse lachend ein: „Im Wickelkissen hat’s jedermann gut. — Ach, Ursel, wenn Sie jetzt mit einem Schlag im Wickelkissen drin säßen! Wie herzig müßte das aussehen!“

„Gräßlich dumm,“ ließ sich Ursel vernehmen. „Aus dir und Hans wird euer Lebtag nichts. Ihr habt eben zu viel Dummheiten im Kopf. Der Ernst fehlt euch. Ernst ist das Leben.“

„Aber, Ursel,“ rief Suse, „unser Vater sagt doch immer, lieber ein bißchen zu übermütig, als die Mundwinkel bis unters Kinn herunterhängen lassen. Ganz elend kann es einem werden bei mißvergnügten Menschen.“

„Hm, hm,“ sagte Ursel, „mir scheint, das hast du geträumt, so spricht ein ernster Mann nicht.“

„Doch, Ursel, so hat er gesprochen, und erst bei unserem letzten Besuch hat er gesagt, er ist sehr zufrieden mit uns. Hören Sie, Ursel, sehr, sehr zufrieden mit unserem Lernen.“