Allerdings, die Kunst in der Negerstube, die sich in wilden Sprüngen, in einem Trommeln auf Tisch und Stühlen anzeigte, die behagte ihr noch immer nicht.
Deshalb konnte sie trotz ihres Wohlwollens für den Lehrer es nicht unterlassen, ihr Ohr an die Tür der Negerstube zu legen, wenn er drin sein Wesen trieb. Und das war schlimm, erfuhr sie auf diese Weise doch allerlei, was im Grunde nicht für sie bestimmt war. — Herr Schnurr, der sich in der ersten Zeit seines Amtsantrittes Hans gegenüber als finsterer und gestrenger Lehrer gezeigt, hatte mit der Zeit geruht, den Knaben zum Freunde zu erwählen. Es war ein merkwürdiges Verhältnis. Herr Schnurr erzählte, und Hans hörte mit offenem Mund und offenen Augen zu.
Da kamen Bekenntnisse aus des Lehrers schweren Wanderjahren, als er in einer größeren Musiktruppe von Ort zu Ort gezogen war. Viel Lug und Trug habe er gesehen, aber ein ehrlicher, rechtschaffener Mensch sei er doch immer geblieben, erwähnte er stets aufs neue. — „Rechtschaffen müsse der Mensch sein, vor allen Dingen rechtschaffen...“ Auch seine häuslichen Sorgen enthielt der Lehrer dem Schüler nicht vor, und dem fuhr kein übler Schreck in die Glieder, als er seinen Geigenmeister eines Tages in jämmerlichen Tönen von mißratenem Essen erzählen hörte, das ihm täglich vorgesetzt werde, von unordentlichen Stuben, in denen er sich herumtreiben müsse, und in die er Samstags mit Galoschen an den Füßen und einem Besen und Eimer in der Hand eindringe, um eine rauschende Sintflut darüber niedergehen zu lassen. Immer beklommener wurde es Hans bei diesem Geständnis, und schließlich, als er Herrn Schnurr Trost zusprechen wollte, stotterte er verlegen: „Herr Schnurr, können Sie sich nicht eine Magd nehmen, wie Ursel, oder unser Rosel daheim, wenn Ihre Frau Gemahlin die Haushaltung nicht versteht.“
„Eine Magd!“
Etwas Dümmeres hätte Hans nicht sagen können.
„Was soll ich nehmen?“ rief Herr Schnurr und machte einen Sprung rückwärts vor Entrüstung.
Hans hätte vor Schreck fast die Geige hingeworfen.
„Was soll ich nehmen, eine Magd? Was soll denn die essen, wenn wir selbst am Hungertuch nagen? Oh, du einfältiger Gockel, komm jetzt her und spiele deine Tonleiter, das ist besser, als deine Weisheitssprüche Salomonis da herunterzulispeln, unpraktischer Held.“
Und Hans tat, wie ihm gesagt worden war, und atmete dreimal tief auf, als er den tüchtigen Lehrer wieder sein Handwerkszeug ergreifen und in gemäßigte Bahnen zurückkehren sah.