„Heilige Maria und Joseph, was ist denn los!“ rief er. „Sie blasen mich ja um, Ursel, Sie blasen mich um.“

„Soll ich vielleicht noch nicht mal mehr blasen?“ schrie Ursel. „Unverschämter Bub! Hinter die Ohren will ich dir eins geben! Was los ist, willst du wissen? Hier, hier steht, was deine saubere Schwester von mir geschrieben hat. ‚Wie Braut und Bräutigam sind sie, wie die Verlobten küssen sie sich, sie stopft Herrn Schnurr seine Strümpfe, sie lächelt ihn wie ein Honighafen an.‘ — Willst du’s hören, willst du’s hören?“ Und die alte Magd drückte ihm das Tagebuch mitsamt dem Brief so fest gegen das Gesicht, daß er kaum imstande war, zu atmen, geschweige denn ein Wörtlein zu piepsen.

Nur ein eiskalter Schreck schoß ihm durchs Gebein. — Er wußte, nun war Susens Geburtstag verdorben.

„Wo, wo, wo haben Sie denn das gefunden?“ stotterte er.

„Wo, wo, wo! Ei, da, wo’s lag. Und jetzt kommt’s in den Herd.“

Und mit diesen erregten Worten eilte die alte Magd an Hans und Frau Cimhuber vorüber, die seit dem ersten Entsetzensschrei ihrer alten Dienerin bestürzt herbeigekommen und nicht mehr gewichen, sondern händeringend gefolgt war.

Ursel nahm ihren Weg in die Küche. Dort riß sie die eisernen Herdringe zur Seite, und mit einem Schwung lagen Brief und Tagebuch im Feuer.

„Halt, halt,“ rief Hans, „halt, halt,“ faßte in die Glut und zog das versengte Tagebuch wieder heraus.

Nun stürzte die alte Magd auf den Knaben zu, um ihm den Schatz zu entreißen, und eine tolle Jagd um den Tisch herum hub an. Ursel sprang hinter Hans her wie der Hund hinter dem Wild. Jetzt hatte sie ihn beinahe gepackt, da war er um die Tischecke herum, und sie schoß geradeaus gegen die Tür.

Dann war sie wieder hinter ihm und riß im Laufen einen irdenen Topf vom Tisch herunter, der polternd auf den Boden stürzte. Da brach Hans in lautes Lachen aus, so lustig fand er das Spiel.