Hierauf ging Ursel stumm hinaus.

Aber es währte nicht lange, Hans stand noch immer auf derselben Stelle wie vorhin und schnappte nach Luft, da öffnete sich die Tür wieder, und Ursel kam zum Vorschein und trug eine große Pappschachtel schweigend vor sich her.

„Sie will fort,“ durchschoß es Hansens verängstigtes Gemüt. — „Jetzt packt sie.“

Aber vor seinen erstaunten Augen löste die alte Magd die Schnüre der Schachtel und entnahm ihr ein schwarzes Kaschmirkleid, einen Orangeblütenkranz und einen Schleier, indem sie mit Tränen im Auge sagte: „Da ist mein Brautkleid und mein Schleier und mein Kranz, und bei Königgrätz ist mein Bräutigam gefallen. Und mein ganzes Leben lang bin ich ihm treu geblieben. Und hier ist seine Photographie. Und nun muß ich auf meine alten Tage soviel Schande erleben.“

Hans wurde es ganz schwarz vor den Augen bei dieser Beichte und so beklommen und elend zu Sinn, als habe er selbst auf Ursels Bräutigam die Todeskugel abgefeuert. Was sollte er nur sagen! Was sollte er nur sagen!

„Aber Ursel, das ist ja doch nicht Susens Ernst, das ist doch Spaß,“ stotterte er schließlich.

Noch hatte er seine Worte nicht ausgesprochen, da klingelte es wiederum, und allen dreien fuhr es wie ein Schlag durch den Sinn, daß jetzt Herr Schnurr zur Stunde komme.

„Er bleibt draußen,“ rief Ursel mit halberstickter Stimme. „Ich will ihn nicht sehen. Er soll mir nicht mehr vor die Augen kommen.“

Frau Cimhuber war so verwirrt von den Ereignissen der letzten Viertelstunde, daß sie nicht mehr recht wußte, was sie tat und selbst zur Türe ging, um Herrn Schnurr abzuweisen und zwar mit einer Lüge, der ersten, die sie seit Jahren über die Lippen brachte. Aber die Sorge um Ursel machte selbst ihre Grundsätze wankend.