„Und meinen ganzen Brief hat sie gelesen?“

„Ja.“

„Alles, was ich zusammengeschmiert habe von Braut und Bräutigam und Verlobtsein und Küssen und herrlicher Freundschaft und Herrn Schnurr und gestopften Strümpfen und all das dumme Zeug?“

„Ja, von A bis Z.“

„Und schlecht ist mir’s noch,“ fuhr Hans fort, „wenn ich nur daran denke, wie sie gejammert hat. Und ihr Brautkleid in einer Lade hat sie hinterher geholt und hat drauf geweint. Entsetzlich!“

„Aber eine so alte Frau kann sich doch ihr Lebtag nicht in einen solch jungen Mann wie Herrn Schnurr verlieben,“ jammerte Suse, ihr Gesicht in den Händen vergrabend und laut weinend. „Da lachen ja die Hühner. Sie muß doch wissen, daß es nur Unsinn war.“ —

„Nun ist alles, alles aus, mein ganzer Geburtstag. Und nie in meinem ganzen Leben hab’ ich mich so auf einen Geburtstag gefreut, wie auf diesen. Gelt Hans, nun ist alles verloren?“

Der Bruder nickte begossen.

„Was wolltet ihr denn eigentlich anfangen an meinem Geburtstag?“ fragte Suse nach einer Weile, in Tränen zerfließend.

„Ich kann dir’s jetzt ja sagen,“ entgegnete Hans zage, „denn aus ist’s ja doch. — Die Papierschlangen und Lampions sind bereits wieder zu Pastor Brauers zurückgeschickt worden, die sie uns geliehen hatten. Wir hatten dir herrliche, dreistimmige Lieder eingeübt, Herr Schnurr, Ursel und ich. Herr Schnurr ist zuweilen fast aus der Haut gefahren, so falsch hat Ursel gesungen. Aber schließlich hat sie’s doch kapiert. Und zur Dankbarkeit für Herrn Schnurrs Bemühungen wollte sie ihm die Strümpfe stopfen. Dann beabsichtigten wir, dir noch eine wunderbare Laube aufzubauen, von Tannenzweigen und Papierschlangen, und die ganze Negerstube abends mit Lampions zu erleuchten, zu singen und zu tanzen.“