Susens Tränen flossen reichlicher bei dem Gedanken an den prunkvollen Ehrensitz, um den sie sich durch ihren Leichtsinn gebracht hatte. Hans aber fuhr fort: „Außerdem wollten Christoph und Henner mit ihrem Kasperletheater ankommen und ein selbsterfundenes Stück vorspielen. Es heißt: „Wie die Fremdlinge die Kühe melken.“ Und das darf ich nicht vergessen, Ursel wollte sich eine ganze Marzipantorte von einem halben Meter Durchmesser abzwacken. Das ist nun alles Essig. — Ich glaub’, sie wollen jetzt sogar der Mutter abschreiben, daß sie nicht kommt.“

„Die Mutter wollte kommen?“ rief Suse aufspringend. „Die Mutter? Seit wann wollte sie denn kommen? Seit wann? Sag’ Hans, seit wann? Gelt, das ist meine Überraschung von daheim?“

„Ach, ich dummer Papagei,“ rief Hans, sich mit beiden Händen an den Mund fassend. „Das ist mir jetzt herausgewitscht. Ich weiß nichts, ich weiß nichts. Ob sie kommt, ob sie nicht kommt, frag’ mich nicht.“

Suse erhob sich langsam, sammelte ihre Blumen vom Boden auf und ordnete sie zierlich. Köpfchen neben Köpfchen, und Stiel neben Stiel, und steckte sie, mit Tränen benetzt, in eine Vase.

Eigentlich waren die Anemonen für Frau Cimhuber bestimmt gewesen, aber wie hätte sie es unter diesen Umständen gewagt, der Pfarrfrau Blumen anzubieten.

Nach einer Weile schlich sich Hans in die Küche, um dort zu sehen, wie der Wind wehe. Aber schneller, als Suse gedacht, kehrte er wieder zurück und flüsterte: „Ursel sitzt noch immer, in Tränen gebadet, auf ihrem Stuhl und hat die Schachtel mit dem Brautkleid offen vor sich stehen.“

Susens Herz klopfte schuldbewußt. Und der Abend verlief in gedrückter Stimmung. Nur Hans fühlte, obwohl von Mitleid für Suse ergriffen, wie sich ein kleiner Freudefunken in seinem Herzen rührte, der immer lebhafter wurde, so daß er ihn schließlich herausspringen lassen mußte.

„Bin ein fahrender Gesell, kenne keine Sorgen,“ tönte es erst leise, dann immer lauter werdend von seinen Lippen, „labt mich heut der Felsenquell, tut es Rheinwein morgen...“

Morgen ging es ja fort von hier, fort, hinaus in die köstliche Freiheit, in die Berge, wo der frische Wind wehte. Mit Theobald und Peter und einigen andern Knaben hatte er eine Wanderung verabredet. —