Aber Frau Cimhuber war nicht umzustimmen. Und Ursel verschloß ihr Gemüt erst recht.

Sie antwortete nicht. Sie seufzte nicht. Sie war ein Fels geworden. Sie deckte den Tisch auf wie eine Salzsäule. Sie deckte ihn wieder ab. Sie räusperte sich noch nicht einmal. Und das Brautkleid lag noch immer in der Küche und quälte Suse durch seinen Anblick. —

Am andern Morgen in aller Herrgottsfrühe, als die andern noch schliefen, machte sich Hans dann auf die Wanderung.

Nun war Suse allein. Trübselige Tage folgten. Die Welt erschien ihr wie ein Grab. Kein Kuchen-, kein Schokoladeduft verkündete ihr, daß ein Umschwung zu ihren Gunsten eingetreten sei. Die Kuchenbleche blieben unangetastet an der Wand hängen, die Rosinen ruhten in ihrer Tüte, die Vanillestangen in ihrer Büchse. Es roch nach Negerstube, nach Schmierseife, nach den altbekannten Düften des Cimhuberschen Hauses, nach nichts anderem.

Endlich, endlich kam der Samstagabend heran, und mit ihm das Ende ihrer Qual, wie Suse hoffte. Heute mußte Hans ja wiederkommen. Er hatte es versprochen. Und vielleicht auch, vielleicht auch — die Mutter. Ganz auszudenken wagte Suse diesen herrlichen Gedanken nicht. Als es aber Abend war, lief sie zum Zug, der aus ihrer Heimat kam, um die Mutter in Empfang zu nehmen. Doch umsonst.

Auch Hans kam nicht.

Den ganzen Abend wartete sie vergebens auf ihn. Es schlug zehn, es schlug elf, es ging auf Mitternacht. Er kam immer noch nicht. Müde und verängstigt suchte sie da ihr Bett auf. Erst spät fand sie den Schlaf.

Der erste Gedanke, der Suse am andern Morgen beim Erwachen durchfuhr, war der an ihren Geburtstag. Vierzehn Jahre war sie heute alt. Vierzehn Jahre! Es war ein Sonntag heute. Die strahlende Sonne lachte über die ganze Welt. Die Anemonen am Fenster hatten ihre Kelche weit geöffnet und fingen das helle Licht in ihrem kleinen Blütentellerchen auf.

Die Uhr sagte Suse, daß es schon sehr spät sei. Schon neun Uhr.