„Guter Vetter, ich weiß schon, was du willst,“ meinte er, Theobald kameradschaftlich auf die Schulter klopfend. „Wir verstehen uns in der Angelegenheit. — Die letzte Woche sind nämlich schon ein paar von eurer Sorte dagewesen. Die haben bei uns übernachtet. So jemand wie euch können wir schon unterbringen. Das tun wir gern. Das macht dem Doktor Freude. Die letzten hat er sogar im Bette schlafen lassen.“
„Nur nicht in dem Brettelkern seiner Betten schlafen,“ riefen die Knaben und dachten mit Schrecken an das Erstaunen des Doktors, wenn dieser plötzlich die Sprößlinge der mit ihm verkrachten Verwandtschaft in seinen warmen Federbetten entdeckte.
„Auf dem Heuboden, wo es am dunkelsten ist, wollen wir schlafen,“ rief Theobald. „Der Heuboden, das ist unser Fall. Der Heugeruch, der ist gesund. Der schläfert ein. Wir sind sehr für die Natur, immer für die Natur. Gucken Sie unsere Kräfte. Alles von der Natur!“
Und damit ergriff er den verdutzten Peter am Kragen und hielt ihn mit ausgestrecktem Arm dem Mann hin, indem er sagte: „Hier sehen Sie, alles mit einem Griff. Alles von der Natur.“
„Du gefällst mir, du kannst so bleiben,“ meinte der Kutscher und klopfte Theobald wieder befriedigt auf den Rücken.
„Kommt jetzt mit herein,“ setzte er zu den andern hinzu. „Die Luise soll euch ein gutes Abendessen kochen. In einer Stunde wird der Doktor da sein. Der wird seine Freude an euch haben. Es kommen auch noch andere Herrschaften mit, ein Herr und eine Dame. Was sehr Feines, glaube ich.“
„Heilige Genoveva,“ rief Theobald erschreckt, „nur nichts sehr Feines heute abend. Für Herrschaften sind wir nicht angezogen. Und dann fallen uns die Augen zu. Man muß uns so wie so schon Hölzchen dazwischen stecken, damit sie offen bleiben. Aber morgen um fünf Uhr bringen wir dem Doktor ein Ständchen. Was sagen Sie dazu? Studentenlieder spielen wir ihm auf. Die beiden da geigen wie die Engel im Himmel und ich singe wie eine Orgel.“
„Das wird den Doktor freuen,“ erwiderte der Mann lachend, „ja, das könnte ihm Freude machen.“
Hierauf brachte er den Knaben heißes Wasser aus der Küche, womit diese sich schnell einige Tassen Kakao anrührten.
Hans äugte ständig nach dem Hoftor hin wie eine Gemse, die auf Wachtposten steht. „Hoffentlich kommt er nicht,“ murmelte er vor sich hin. „Der wirft uns ja raus.“