„Lacht doch nicht bei dieser ernsten Geschichte,“ wehrte Theobald, „es kommt noch besser. Kaum sind die Hühner fort und wälzen sich mit dem vermalefitzten Gockel, dem ich ein paar Schwanzfedern abgebrochen habe, in den Hof hinaus, so fängt einer von unsern Freunden, der Philipp, so laut an zu schnarchen, daß man es durch drei Wände hören konnte. Und denkt euch, da sitzen in demselben Stall mit uns ein paar Truthähne. Die bilden sich ein, wir wollen sie uzen mit dem Schnarchen. Und jedesmal, wenn der Philipp mit der Stimme überschnappt, fangen die an so mordsmäßig zu kollern und zu glucksern, als wollten sie an den Wänden in die Höhe fahren vor Geschrei. Wißt ihr, eine Musik war in dem Stall, als wenn einer Ziehharmonika spielt, und der andere fällt der Länge nach von rückwärts auf das Klavier, auf sämtliche Tasten mit einem Schlag. Hinreißend! Na, da bin ich aufgestanden...“

„Und?“ fragte Hans.

„Laß mir meine Ruh,“ sagte Theobald, „ich will jetzt schlafen.“

Und damit drehte er sich auf die andere Seite. Bald verrieten seine tiefen Atemzüge, daß er schliefe. Und auch seine beiden Begleiter ruhten bald, von tiefem Schlaf übermannt, auf ihrer Lagerstatt.

Da — es mochte so vier Uhr morgens sein, wachte Hans plötzlich von einem lauten Geräusch auf, das im Pferdestall nebenan erklungen war. Er hörte Pferde wiehern. Mühsam richtete er sich auf und spürte, wie ihm ein schwerer Druck auf der Brust lag. Sein Kopf schwindelte. — Es roch nach Qualm und Rauch. Weit riß er die Augen auf und sah einen roten Schein von der Öffnung, die zum Pferdestall führte, herüberleuchten. Da war ihm plötzlich klar, was hier geschehen war. Mit einem Sprung war er auf den Beinen, riß seinen Freund Peter mit in die Höhe und schrie durchdringend: „Hier brennt’s! Es brennt! Feuer!“

Der Freund war sofort wach, und nun rüttelten die beiden an Theobald, der noch immer schlief wie ein Sack. Als sie ihn endlich aufgeweckt hatten, bedurfte es nur noch weniger Sekunden, bis er sich gefaßt hatte. Dann kommandierte er wie ein General: „Jetzt erst mal raus an die Luft.“

Mit großer Schnelligkeit ließen sich die Knaben an der Leiter hinunter und eilten durch die Scheune ins Freie.

Hier sahen sie den Hof tagehell erleuchtet. Der Holzstoß unter dem Schuppen brannte lichterloh, die Flammen schlugen zum Dach hinaus und griffen nach dem Stall hinüber.

„Schöne Bescherung,“ murmelte Theobald.