Bis vor einer Stunde noch war sie mit ihrem Mann und dem Besitzer des Hauses, dem Doktor, aufgewesen, und nun war sie im ersten Schlaf durch einen furchtbaren Lärm emporgerissen worden.
Gerade wollten Theobald und Hans den Doktorsleuten die nötigen Erklärungen über ihr Hiersein geben, da rannte ein dicker, alter Herr im Sturm an der Gruppe vorüber und warf sich seinen Rock über.
Es war der Doktor Brettelkern.
„Entschuldigt, ich muß mit in den Betrieb,“ rief Theobald und folgte seinem Onkel in den Hof. Schreiende Menschen drängten hier zur Tür herein, die Feuerwehr rasselte heran, die Pumpen wurden in Tätigkeit gesetzt und die Spritzen auf das Haus gerichtet.
Theobald suchte sofort irgendwo einzugreifen und half beim Pumpen mit einem Eifer, als hänge das Geschick Wildershausens von seinen Muskeln ab. Mitten im schönsten Arbeiten fühlte er plötzlich, wie ihm jemand die Taschentücher vom Kopfe riß, ein dickes Stück Watte mit einer brennenden Flüssigkeit in die Wunde stopfte und dann seinen Kopf mit einer Gazebinde so fest umwickelte, daß er sich zwischen die Kinnbacken eines Riesennußknackers geraten glaubte.
Es war der Doktor Brettelkern, der ihn verbunden hatte.
Unverzagt pumpte Theobald weiter, unterstützt von Hans und Peter.
Als nach einer Stunde der Brand gelöscht war und die Menschen sich vom Hofe verzogen hatten, fanden sich der Besitzer des Hauses und seine Gäste, die Doktorsleute von Schwarzenbrunn und die drei Knaben aus der Stadt, in dem gemütlichen Eßzimmer ein, wo sie sich an einer Tasse warmen Kaffees stärkten, die ihnen die Haushälterin des Doktors schnell bereitet hatte. Das Fragen und Erklären nahm nun kein Ende.
Hans, der sich schon die zwei letzten Stunden über den Kopf zerbrochen hatte, warum seine Eltern wohl hier seien und allerlei Ahnungen verspürte, erfuhr nun, daß sein Vater gekommen sei, um mit dem Doktor Brettelkern über seine Praxis in Wildershausen zu reden, die er in aller Kürze übernehmen werde. — Von Pfingsten ab sei der Doktorsleute und ihrer Kinder Wohnort Wildershausen.
Da stieg dem Knaben das Blut so heiß zu Kopf, daß seine Schrammen im Gesicht wie Feuer brannten. Für die nächste halbe Stunde kam ihm kein Wort über die Lippen.