„Seit’s in der Zeitung stand,“ erwiderte Ursel. „So was Ähnliches hab’ ich gelesen.“

Nachdem der erste Begrüßungssturm vorüber war und Suse an Ursels mildem Gesichtsausdruck merkte, daß Hader und Groll von ihr gewichen waren, wagte sie verstohlen ihren Arm unter den der alten Magd zu schieben und zu fragen: „Sind Sie mir böse? Haben Sie alles vergessen?“

„Das wäre ja eine Sünde, jetzt böse zu sein,“ entgegnete Ursel. „Wir wollen froh sein, daß Hans wieder da ist, und nicht an unsere Fehltritte denken. Wir wollen alles vergessen. Unser Kummer ist jetzt nebensächlich.“

Und sie rief die beiden in ihr Zimmer und holte aus ihrer Kommode ein silbernes Kreuz hervor, das sie Suse zum Geburtstag bestimmt, heute aber in ihrem Zorn unterschlagen hatte, und band es dem Doktorskind um. Und dann griff sie nach der berühmten, von Hans schon beschriebenen Marzipantorte, die mitten auf ihrem Bett stand, und reichte sie den beiden hin. Arm in Arm mit ihrer gütigen Geberin traten die Geschwister wieder vor das Angesicht ihrer Eltern, und so erfuhren diese nie, wie heftig die Wirbelstürme gewesen waren, die in der vergangenen Woche die Freundschaft des Kleeblattes hin- und hergezaust hatten.

Den Abend verbrachten die Doktorsleute nun mit ihren Kindern bei Theobalds Eltern in der Stadt, und erst am andern Tage setzten sie Frau Cimhuber von all den Beschlüssen, die sie in letzter Zeit gefaßt hatten, in Kenntnis.

Nach dem Städtchen Wildershausen wollten sie verziehen.

Ihre Kinder wollten sie zu sich nehmen, da in ihrem neuen Wohnort höhere Schulen seien.

Frau Cimhuber traf die Nachricht wie ein Schlag.

„Jetzt hat man sich gerade an die Kinder gewöhnt, und jetzt soll man sie wieder hergeben,“ sagte sie wehmütig vor sich hin. „Scheiden und Meiden, das ist das Leben.“

Ursel weinte drei Tage lang, als sie die traurige Nachricht erfahren hatte. Dann aber faßte sie sich und sagte zu Hans und Suse: „Ja, es ist viel besser für euch, daß ihr fortgeht. Besonders für dich, Suse. Ich habe es jetzt gesehen. Euer Vater ist ein ernster Mann. Er wird euch zum Ernst erziehen. Suse, nächstes Jahr wirst du konfirmiert. Da hast du eine strenge Aufsicht nötig und eine ernste Umgebung.“