„Doch, Theobald hat’s gesagt,“ entgegnete der Bruder ganz beleidigt.
Er nahm es sehr übel, daß seines Vetters Reden angezweifelt wurden, stammte seine Weisheit doch von niemand anderem als von dem erfahrenen Theobald, der ihn in einer Pause zur Seite genommen und über die Wunder und Merkwürdigkeiten der Stadt aufgeklärt hatte.
„Ja, Suse, gräßliche Unglücke passieren manchmal mit den Autos,“ fuhr er hastig fort.
„Das glaub’ ich gern,“ fiel Suse ein, „das ist schon möglich.“
„Höre, höre,“ fuhr er fort. „Da ist ein Rad, das Steuer. — Das hat der Chauffeur in der Hand und lenkt damit den Wagen. Und wenn er ihn nicht zur rechten Zeit zum Stehen bringt, dann fahren die Autos womöglich rückwärts den Berg runter und überschlagen sich und werfen alles, was drin ist, raus, und die Leute brechen sich dabei den Hals.“
„Das glaub’ ich gern,“ fiel Suse ein. „Aber das, was du von den Sirenen gesagt hast, das glaub’ ich nicht, und wenn ich hundert Jahre alt werde. Das ist nicht wahr. Das hat uns Theobald nur so aufgebunden. Glaub’ mir, Hans. Und es ist frech von Theobald, daß er so was zu sagen traut und uns so belügt.“
„Aber nein, Suse, er belügt uns nicht,“ wehrte Hans. „Theobald lügt uns hier in der Stadt doch nicht an. Nur zu Hause. Und du sollst selbst sehen, daß alles wahr ist, was er gesagt hat. Hör’ doch, Suse, das will ich dir ja noch sagen, wir wollen heute nachmittag den Onkel Gustav besuchen und seine Autos ansehen. — Der Onkel Gustav, der wohnt draußen vor der Stadt und hat ein wundervolles Schloß und ist in fremden Ländern gewesen, wo es Löwen und Tiger und Elefanten gibt, und seine Frau ist auch von dort. — Fein, gelt? Und Kinder hat er, schwarz wie die Neger. Fein, gelt?“
„Aber, Hans, da können wir doch nicht hingehen, wenn wir nicht eingeladen sind,“ meinte die Schwester.
„Doch, Suse, — Theobald hat gemeint, es geht schon. Wir wollen ja nicht zu dem Onkel und zu der Tante und zu ihren albernen Kindern. Wir wollen ganz einfach zu den Autos gehen und sie uns in einem Schuppen ansehen...“
Unter diesen Gesprächen waren die beiden allmählich vor Frau Cimhubers Haus angelangt, das schmal und hoch in einer Häuserreihe eingeklemmt lag.