Scheu sahen sie zum vierten Stock hinauf.

„Ich glaub’, Ursel guckt schon,“ sagte Suse halblaut.

Die beiden sahen sich an, als empfänden sie Furcht, gingen dann ins Haus, erstiegen schnell die Treppe, legten droben Hut, Jacke und Ranzen ab und standen einige Minuten später in dem Eßzimmer der Pfarrfrau.

Bescheiden und schüchtern nahmen sie hier Platz und zeigten wieder ganz ihr gedrücktes Wesen von heute morgen. Dahin war Hansens stolzes Siegergefühl, eine Frucht seines Unterrichts bei Theobald, und der Stolz auf seine Automobilkenntnisse schwand wie Butter an der Sonne angesichts der forschenden Blicke seiner Pflegemutter, die nicht von ihm und Suse ließen.

Und mit einem Male hob sie an: „Na, Kinder, ihr habt doch sicher recht aufgepaßt in der Schule und allerlei behalten. Denn ihr wollt ja was lernen hier; dazu seid ihr ja hierhergekommen, nicht wahr? Und dazu haben eure Eltern euch hierhergeschickt. Und ihr wollt euern Eltern doch Freude machen. Nicht wahr? Was für Stunden habt ihr heute schon gehabt, erzählt mal!“

Da saßen sie da wie die ertappten Sünder, stießen sich unter dem Tisch an und wußten nicht, was antworten.

Hans sah errötend und hilfesuchend nach Suse hin. Aber auch sie stotterte hin und her und erklärte schließlich, auf dem Pult sei eine blaue Kugel gestanden, und die Kinder hätten mit dem Finger darauf herumfahren dürfen.

„Das ist alles, was du gesehen hast, Kind?“ fragte die Pfarrfrau und legte vor Überraschung Messer und Gabel hin. „Das ist alles, Suse? Mehr hast du nicht gesehen, Kind?“

Das kleine Mädchen schüttelte den Kopf.

„Aber, Suse, wo hast du denn die Augen gehabt,“ fuhr ihre Pflegemutter vorwurfsvoll fort. „Hast du denn nicht aufgepaßt? Weshalb gehst du denn überhaupt in die Schule, wenn du nicht aufpassen willst. Ihr geht doch hier in die Schule, um etwas zu lernen.“