„Hast du unsere Negerstube schon gesehen?“ fragte sie mit geheimnisvoller Stimme.

„Was soll ich gesehen haben?“ entgegnete er und sperrte den Mund weit auf.

„Komm, komm,“ drängte Suse und eilte voraus, den Gang hinunter, um mit einem strahlenden Ausdruck im Gesicht Frau Cimhubers Negerstube zu öffnen, als wäre sie ihr ureigenstes Besitztum.

„Fein, gelt?“ sagte sie, den Vetter erwartungsvoll anblickend. „Sieh mal die herrlichen Dinge an, Theobald.“

Der Vetter musterte mit Stirnrunzeln die Prunkstücke des Raums, hatte sofort den Negergott entdeckt, der grinsend auf seinem Ständer in der Ecke saß, und ging stracks auf ihn zu.

Suse klopfte das Herz bei dieser Vermessenheit und sie rief: „Nicht doch, nicht doch!“

Theobald aber streichelte dem Götzen zärtlich die Wangen und sein schwarzes, aus Holz geschnitztes Haar, als wär’s das Fell eines Schoßhündchens, und ging dann, ein Liedchen pfeifend, von einem Gegenstand des Raumes zum andern, als wäre er im Schatten von Negerschwertern und -messern groß geworden.

„Ihr wißt natürlich nicht, von wem die Sachen eigentlich sind,“ begann er schließlich.

Sie schüttelten ihre Köpfe.

„Nun, so will ich’s euch sagen. Sie sind nämlich alle von dem Edwin Cimhuber, das ist der Sohn von eurer Pflegedame. Der ist Missionar in Afrika bei den Negern und Hottentotten; die bekehrt er.“