„Was ist er?“ fragte Suse plötzlich lebhaft und aufgeregt, „Missionar? In den fremden Ländern ist er Missionar? Ist er schon lange dort?

Kommt er nicht mal? Unser Herr Pfarrer hat uns auch schon von den Missionaren erzählt, Theobald, und jedesmal hat er uns die wunderschönsten Bilder gezeigt. Palmenwälder waren drauf und beladene Kamele, die durch die Wüste wandern. Und das Meer und fremde Vögel und Affen, die in die Bäume klettern, und alle waren aus Afrika und Asien. — Und dort lebt der Herr Missionar, Theobald, hast du gesagt?“

„Ja, und der Herr Edwin ist das Schönste und Beste und Herrlichste, das es auf der Welt gibt. Wenigstens für die Frau Cimhuber, für mich nicht.“

Suse war noch ganz in Gedanken und meinte mit einem Male: „Es ist doch schön, daß wir hier wohnen! Nicht wahr, Theobald? Hier haben wir richtige ausgestopfte Affen, die der Herr Missionar geschenkt hat, und vielleicht kommt er selbst einmal. Nicht wahr, Theobald? Möchtest du nicht auch hier wohnen?“

„Ich hier wohnen,“ rief der Vetter und auf seinem sonst so gleichmütigen Gesicht mit der erhabenen Miene malte sich ein ehrlicher Schrecken...... „Brr!“

„Ach, weißt du was,“ meinte Suse voll Schonung, „wenn man immer höflich und artig zu Frau Cimhuber ist, dann passiert einem nichts. Vielleicht wird sie uns sogar Geschichten von ihrem Sohn aus Afrika erzählen.“

„Ein Glück, daß ich die nicht zu hören brauche,“ fiel Theobald ein. „Gott sei Dank! Überhaupt, das will ich euch sagen, ihr braucht euch gar nicht so gräßlich viel auf die Sachen hier einzubilden. Da sind wir hier in der Stadt doch an ganz andere Dinge gewöhnt. Wenn wir jetzt zum Beispiel zu unserem Onkel Gustav gehen, da werdet ihr mal was erleben. Der hat Tiere, wie ihr sie haben wollt; die schönsten und die wildesten, mit und ohne Gerippe, mit und ohne Haut, mit und ohne Federn. Ganz nach Wunsch. —

Und schwarze Dienerinnen hat er, die haben Lippen, wie aufgeplatzte Rotwürste. —

Aber hopp,“ unterbrach er seinen eigenen Redeschwall, „wir haben jetzt keine Zeit zu verlieren, macht euch fertig.“