Suse stieß einen Schrei aus und stürzte den Gang hinunter in ihr Zimmer zurück. Dort riegelte sie sich ein. Die Tränen liefen ihr über das Gesicht.
Suse fürchtete sich fast zu Tode.
„Ach, Hans, wärst du doch hier geblieben,“ weinte sie vor sich hin. „Ach, lieber Gott, verlaß mich nicht. Mach doch, daß Hans kommt.“
Ängstlich, wie nach Hilfe suchend, flogen ihre Blicke durch die Stube. Da sah sie plötzlich wie gebannt auf die Kommode, wo die Bilder ihrer Eltern standen, sowie die Rosels, ihrer Magd, und Christines, der alten Kinderfrau von daheim. Beruhigend und tröstend sahen die guten, freundlichen Gesichter zu ihr herüber.
„Sei nur still, liebes Kind, sei nur still,“ schienen sie zu sagen, „wir sind ja bei dir.“
Da drückte sie ein Bild nach dem andern zärtlich an sich und fühlte, wie ihr’s viel leichter, viel wohler ums Herz wurde. Zu guter Letzt fielen ihre Augen noch auf einen ganz besonderen Tröster.
Dort stand Michel, der Gefährte ihrer Jugend, ein Jagdhund, und blickte kühn wie ein Eroberer hinter Glas und Rahmen hervor. Seine klugen Augen blitzten auf dem Bilde, seine Schnauzbarthaare spreizten sich keck, sein Schwanz stand wagerecht ab wie ein Lineal. Mit einem solchen Freund im Bunde brauchte man selbst den Negergott nicht mehr zu fürchten!
Vorsichtig trug Suse all ihre Schätze auf den Tisch und baute nun eine Art Schutz- und Trutzburg von ihnen auf, hinter die sie sich zu verstecken und einen Brief nach Hause zu schreiben gedachte.
Allerlei Andenken von daheim vervollständigten noch ihre Festung: ein Briefbeschwerer, den ein Freund von Hans mit Namen Martin, ein armer, verkrüppelter Knabe, ihnen am Tage vor ihrer Abreise mit glückstrahlenden Augen gebracht hatte.