Forschend richtete die alte Magd jetzt ihre Augen auf Suse und fragte barsch: „Warum hast du geweint. Hast du dich mit Hans gezankt?“
Suse schüttelte den Kopf. „Warum hast du geweint?“ fragte Ursel noch einmal.
„Ich hab’ nach Hause geschrieben und da hab’ ich weinen müssen,“ flüsterte Suse.
„Dummes Zeug,“ murmelte Ursel und ging kopfschüttelnd in die Küche, um Hans und Suse den Kaffee zu wärmen und einige Stücke Brot zu schneiden. Sie glaubte, beide Geschwister seien zu Hause.
„Darf ich den Kaffeetisch decken?“ fragte Suse schüchtern und zitterte für den Bruder. Die alte Magd nickte.
Das kleine Mädchen holte geschäftig Tassen, Unterschälchen, Zuckerdose und Milchtöpfchen aus dem Schrank, stellte sie schön ordentlich auf ein Servierbrett und wollte damit in die Stube gehen. Da klingelte es wieder.
Hu, wie fuhren da die Tassen und Unterschälchen durcheinander und rasselten und klirrten! Ums Haar wären sie auf dem Boden gelegen. Schnell stellte Suse sie zur Seite, eilte zur Tür hinaus und den Gang hinunter, während ihr die Zöpfe hinterherflogen, wie einem Kellner die Rockschöße und die Serviette.
„Halt!“ rief Ursel. „Was läufst du so? Wo willst du hin? Halt! Halt!“
Aber das kleine Mädchen war schon an der Flurtür, öffnete, und rannte dem Briefträger stracks in die Arme.
„Scht, scht,“ mahnte dieser, „nur nicht so stürmisch. Ich hab’ einen Brief an Frau Cimhuber.“