„Ja, ja,“ sagte Hans, „das will ich tun.“

Aber als sie bei Tisch saßen und er davon anfangen wollte, begann Frau Cimhuber von der Familie zu erzählen, die sie heute nachmittag besucht hatte, und deren artigen Kindern.

Endlich, als sie einmal eine Pause machte, sprach Suse ihrem Bruder unter dem Tisch durch heftige Stöße Mut zu, und er begann stockend: „Frau Pfarrer, ich bin... Frau Pfarrer, ich bin heute nachmittag...“

Da unterbrach ihn die Pfarrfrau mit den Worten: „Kinder, ihr müßt euch daran gewöhnen, Erwachsene nicht durch eure Reden zu unterbrechen. Ihr müßt immer erst dann reden, wenn man euch etwas fragt.“

Und diese Worte der Pfarrfrau schüchterten die Kinder so ein, daß sie ihr gute Nacht boten, ohne ihr ein Wort von dem zu sagen, was sie heute nachmittag erlebt hatten.

„Ich fürchte mich vor der Schule morgen,“ flüsterte Suse, als sie allein mit ihrem Bruder war.

„Das mußt du nicht,“ meinte er, „denk nicht dran! Ich denk auch nicht dran.“

Und in der Absicht, sie auf andere Gedanken zu bringen, fuhr er mit geheimnisvoller Stimme fort: „Laß uns aus dem Fenster sehen, jetzt springen vielleicht auf dem Dach wieder die herrlichen Buchstaben herum wie gestern abend.“

„Ja, ja, du hast recht,“ sagte die Schwester und machte sich schnell fertig, um mit ihrem Bruder an das Fenster zu treten und die nächtliche Stadt zu betrachten. Wie Tausende von Leuchtkäfern funkelten dort die Lichter aus dem Dunkel auf, wie schillernde Schlangen glitten die Elektrischen am Kanal entlang, und aus den engen Straßen kamen die Menschen als vermummte Gestalten ans Licht. Und pünktlich, wie der Mond und die Sterne daheim über dem Nußbaum im Hofe der Doktorskinder, erschienen auf dem Dach des hohen Hauses jenseits des Kanals die leuchtenden Buchstaben, deren Sinn Hans und Suse nicht erkunden konnten. Ein Buchstabe nach dem andern blitzte auf und lief über den Dachfirst. Leuchtend standen dort ein paar Worte und erloschen wieder, um nach einigen Sekunden in neuem Glanz zu erstehen.