Schließlich stand Suse auf, ging ans Fenster, drückte ihr Gesicht gegen die Scheiben und sah hinunter auf den Kanal, der heute frei von Kähnen war. Auch die Straßen waren weniger belebt als sonst. Die Menschen waren wohl hinausgewandert in das Freie, wo der Sonnenschein über Feldern und Wiesen lachte.

Nur hoch oben an der blauen Himmelsdecke, da ging es lustig her. Da flogen die munteren, kleinen Federwölkchen vorüber, die Suse so gern hatte. Sie glänzten wie schimmernder Atlas und flatterten und wehten wie weiße Tüchlein, die unsichtbare Hände schwenken.

„Komm mit, komm mit,“ schienen sie zu rufen. — Sie wanderten weiter, immer weiter, bis sie zu den Bergen von Susens Heimat kamen. Noch heute trafen sie dort ein. Das kleine Mädchen spürte es so deutlich, so klar. Dann sahen sie in den Doktorsgarten, wo die Blumen blühten und die Büsche grünten, wo an der Mauer der Schlehdorn schneeig schimmerte, wo vor der Tür Minnette saß und im Hof Michel sich sonnte. Und in das gemütliche Wohnzimmer schauten sie, wo der Vater und die Mutter am Kaffeetisch saßen und miteinander redeten.

„Wie schön ist es heute, wir wollen durch den Garten gehen,“ sagte die Mutter. „Komm, Hermann. Was wohl unsere lieben Kinder heute treiben?“

Und Suse hörte genau die Stimme ihrer Mutter.

Da räusperte sich Hans, und sie fuhr herum und zeigte ein verweintes Gesicht. Er schaute sie erschrocken an. Und da begann sie auch schon von Tränen überströmt: „Jetzt will ich dir auch sagen, Hans, was ich schon immer gedacht habe. Wir wollen fort von hier, nach Hause.“

Der Knabe fuhr zusammen und wiederholte langsam: „Nach Hause?“

„Ja, Hans!“

„Aber, Suse, wir sind ja eigens hierher gekommen in die Stadt, damit wir was lernen, und jetzt wollen wir schon wieder fort?“

„Ei, Hans, wir können ja in eine andere Stadt gehen, wo’s viel schöner ist. Es gibt ja noch viele Städte.“