„Nein, Suse, der Vater und die Mutter haben gesagt, sie haben sich lange bedacht, warum sie uns gerade in diese Stadt schicken. Sie wollen, daß wir uns an fremde Menschen gewöhnen und hier bleiben und was lernen. Und jetzt sind wir hier, und jetzt bleiben wir hier.“
„Dann sterb’ ich, Hans. Ich hab’ immer so Weh hier...“ Und das kleine Mädchen zeigte weinend auf sein Herz.
„Sieh, hier, Hans, und essen mag ich auch nichts mehr, es drückt mich immer im Hals und ich kann nicht schlucken. Du wirst sehen, ich sterbe. Ich habe schon immer gebetet, daß der liebe Gott macht, daß wir wieder nach Hause kommen, sonst sterb’ ich.“
„Bald sind ja Ferien, Suse!“
„Dann bin ich schon tot. Ich will fort, ich will fort!“
Und Suse drückte weinend beide Handrücken vor die Augen und wiederholte immer wieder: „Ich hab’ so Weh hier, Hans, ich hab’ so Weh hier! Ich will fort!“
Dem Bruder wurde es angst und bange. Er suchte nach Trostesworten und fand keine.
Seine kleine Schwester aber fuhr immer trauriger fort: „Ich mag auch nicht mehr in der Elektrischen fahren. — Und die hellen Buchstaben find’ ich auch nicht mehr schön. Ich mag nichts mehr. Kein Kind will mit mir spielen. Alle haben sie Freundinnen, nur ich nicht. Und Frau Cimhuber hat uns auch nicht lieb, und Ursel erst recht nicht.“
Hier schluchzte sie laut auf.
Dann sagte sie wieder leise vor sich hin: „Wir wollen fort, wir wollen fort. Ich will zum Vater und zur Mutter und zu den Kindern, die mich lieb haben.“