„Aber, Suse, was wollen wir denn machen?“ fragte Hans in größter Aufregung. „Frau Cimhuber läßt uns ja nicht fort!“

„Sie braucht es ja nicht zu wissen, daß wir fort wollen, Hans! Wir schleichen uns ganz in der Frühe fort, wenn alle noch schlafen.“

„Und unsere Sachen, Suse?“

„Die ziehen wir alle übereinander an. Du ziehst vier Hosen und vier Hemden an und zwei Anzüge, und ich auch; meine zwei schönen Sonntagskleider leg ich fein ordentlich in eine Pappschachtel, und deinen Matrosenanzug auch. Das trägst du dann an einer Schnur. Ich nehme das andere; die Geburt Christi und den Engel und die Taschentücher und Strümpfe, alles, alles in der Hirschtasche.“

„Nein, Suse, das geht nicht. Das dürfen wir nicht. Wir sind hier und wir bleiben hier. Und es ist auch schön hier.“

„Schön?“ fragte Suse ganz entgeistert. „Aber, Hans, das glaubst du doch selbst nicht! — Weißt du, Hans,“ fuhr sie flüsternd fort, „nachts träum’ ich immer, der Negergott springt mit einem von den vielen Negermessern hinter uns her, drei Schritte vorwärts und einen zurück, und dazu ruft er: Halloh! Halloh! wo steckt ihr? — Und eines Nachts ist er wirklich an unsere Tür gekommen. Ich hab’ ihn deutlich schleichen hören. Und dann hat er leise, erst wie ein Neger, dann deutsch gesagt: ich krieg euch doch. — Wartet nur, brr... hu... hu...“

„Dummes Zeug,“ wehrte Hans. „So was Dummes brauchst du nicht zu träumen. Du weißt ja, er ist aus Holz. Und nun paß mal auf. Ich gehe jetzt in die Negerstube und hol’ ihn von dem Ständer herab. Dann sollst du ihn selbst mal anfassen.“

„Nein, nein,“ rief Suse. „Er tötet uns.“

„Er denkt nicht dran. Er ist ja der rechte Ölgötze. Das hat auch Theobald gesagt.“

Und nach diesen Worten ging Hans stolz, hoch erhobenen Hauptes zur Tür hinaus, dem Staatsgemach der Frau Cimhuber zu und trat ein. Erwartungsvoll sah ihn der Götze daherschreiten.