„Wenn ich aber nicht kann,“ meinte Hans gedrückt, „was soll ich da machen?“ Und als die Schwester schwieg, forschte er halblaut weiter: „magst du Ursel gern, Suse?“

„Ja,“ wollte die Schwester sagen, aber ihr fiel ein, daß dies gelogen wäre, und so verweigerte sie dem Bruder lieber jede Auskunft.

Er wartete noch ein Weilchen und fuhr dann mehr flüsternd als redend fort: „Eine gräßlich große Nase hat Ursel. Gelt? — Und eine solch’ dicke Warze mit einem langen Haare drauf.“

„Ja, ja,“ fiel Suse mit einem Male lebhaft ein, „ein ganz stacheliges Haar ist’s. — Weißt du, Hans, genau so wie die Hexe in dem Märchenbuch, das uns Tante Anna geschenkt hat.“

„Ja, daran hab’ ich auch schon gedacht,“ meinte der Bruder ebenso lebhaft wie sie.

„Hans, Hans, jetzt haben wir schon wieder was Schlechtes gesprochen,“ meinte Suse schuldbewußt. „Immer fangen wir wieder von der Nase an. Diesmal hast du angefangen. Das dürfen wir doch nicht. Der Vater und die Mutter haben uns doch befohlen, daß wir nicht von den Fehlern und Gebrechen anderer Leute reden.“

„Aber von großen Nasen haben sie nichts gesagt. Und große Nasen sind auch nichts Schlimmes. Die von dem Großvater von unserem Pfarrer, der vorigen Herbst zu Besuch bei ihm war, die war noch viel größer. Weißt du denn nicht mehr? Weißt du denn nicht mehr, wie viel wir davon gesprochen haben? Und du hast am meisten davon gesprochen. Und wie hast du gelacht, als Theobald gesagt hat, seine Nase ist so groß wie die von einem Nußknacker!“

„Da waren wir auch noch viel jünger, Hans.“

„Jünger, Suse? Ein halbes Jahr ist’s her.“