Er verfärbte sich. Alles drehte sich um ihn. Er rieb sich die Augen. — Nein, es war kein Irrtum. Dort in der Ecke lag kein Geld, sondern ein dicker, blinkender Messingknopf. — Ein abgerissener Hosenknopf von Theobald. — Nichts anderes. Das war also alles, was er ihnen gespendet hatte. Deshalb war er wie ein Verrückter neben dem Zug hergesprungen, um ihnen einen Hosenknopf hinterherzuwerfen!

„Suse, Suse,“ stotterte Hans „Komm her, guck, was da liegt.“

Sie kam zögernd näher, schaute hin und wurde weiß wie Kreide.

Dieser Hosenknopf von Theobald war also alles, was sie hatten! Ihre ganze Barschaft! Damit sollten sie sich Karten für die Reise kaufen und außerdem Plätze in der Postkutsche bezahlen! — Laut weinend setzte sie sich vor dem lügnerischen Knopf nieder und starrte ihn angstverzerrt an. — Den sollten sie dem Schalterbeamten in die Hand drücken! — Der würde gucken!

Hans sah wie verhext in derselben Richtung, griff nach dem Knopf und schleuderte ihn aus dem Fenster.

Jetzt wußte auch er nicht mehr aus noch ein und saß wie vernichtet auf seinem Platz. Der Schwester Schmerz brachte ihn schließlich wieder zur Besinnung. Er versuchte, ihr die Hände von den verweinten Augen zu ziehen und tröstete: „Weine nicht, Suse, weine nicht. Sei still, Suse, sei still, laß uns mal bedenken, was wir jetzt tun.“

Aber ach, er selbst konnte seine bitteren Tränen nicht mehr zurückdrängen.

Auf der dritten Station, in Haslach, stiegen die Kinder aus und blieben eine Weile unschlüssig auf dem Bahnsteig stehen. Dann gingen sie auf den Wartesaal zu. Schüchtern drückten sie sich zur Tür herein und suchten nach einem freien Platz. Vom Schenktisch her verbreitete sich der verlockende Duft warmen Kaffees und gemahnte sie daran, daß sie heute morgen noch nichts genossen hatten. Aber was bedeuteten Hunger und Durst im Vergleich zu der Angst, die sie empfanden! —

Wohin sollten sie sich nun eigentlich wenden? Zur Stadt zurück? — Sie hatten ja kein Geld mehr, selbst nicht für eine Fahrkarte vierter Klasse. Und zu Fuß zurückzuwandern, das war ihnen unmöglich. Dazu war der Weg ja viel zu weit.