Da kam Hans mit einemmal ein rettender Gedanke.

Wenn sie dem Schalterbeamten irgendein Geschenk machten? — Vielleicht die „Geburt Christi“ von Martin oder den Engel von Christine oder sonst irgend etwas Schönes. — Am Ende gäbe er ihnen dann eine Fahrkarte.

Die Schwester horchte auf, dachte nach; ihre Augen wurden heller, und da rief sie auch schon ganz freudig: „Du hast recht und du sollst mal sehen, der gibt uns gleich so viele Karten als wir wollen. Der freut sich!“

Und das kleine Mädchen, das eben noch ganz verzweifelt gewesen war, wiegte sich schon wieder in den schönsten Hoffnungen. Ja, dank ihrer üppigen Phantasie hörte sie bereits den Beamten am Schalter, diese Seele von einem Menschen, sagen: „Fein, daß man euch mal sieht, her mal mit euren wunderschönen Sachen. Wieviel Karten wollt ihr dafür? Auf eine Fahrkarte mehr oder weniger kommt’s mir nicht an!“

Hans, der schwerfälliger veranlagt war als seine Schwester, meinte beklommen: „Man weiß es nicht, ob er sich freut; vielleicht freut er sich nicht.“

Doch Suse hörte und sah nicht mehr und suchte mit beiden Händen verzweifelt in der geöffneten Hirschtasche nach ihren Schätzen. Auf dem Grunde mußten sie liegen. Eine ganze Schicht Kleider, Strümpfe, Schuhe, Bänder hatte sie schon vorsichtig auf die Bank niedergelegt. Da stieß sie endlich auf die Geburt Christi und den Engel. Und mit großer Befriedigung legte sie die Sachen auf den Stapel Kleider neben sich nieder und schickte sich an, den Grund der Hirschtasche zu ordnen.

„Schnell, schnell,“ drängte da Hans, „die Leute gucken.“ Und dabei warf er ängstliche Blicke auf die Menschen rund herum, die an Tischen saßen, Kaffee tranken und die Kinder aufmerksamen Blickes beobachteten.

Aber am verdächtigsten kam Hans doch ein Beamter vor, der von Zeit zu Zeit die Züge abrief und jedesmal neugieriger auf sie zu werden schien.

Eben war er sogar eine ganze Weile an der Tür stehen geblieben und hatte die beiden kopfschüttelnd gemustert.

Da wurde des kleinen Jungen Aufmerksamkeit jäh abgelenkt.