„Fahr’ nur lieber gleich in den Himmel,“ sagte der Bruder kaltblütig. — „Was mich aber anbetrifft, so geh ich jetzt zu Onkel Fritz, und damit basta.“
„Und ich, wohin geh ich?“ jammerte Toni, „sag, Theobald, wohin soll ich gehen? — Aha, ich weiß es,“ rief sie freudig, „ich gehe zu Fräulein Hirt und bitte sie auf den Knien, daß sie Hans und Suse wieder zurückholt. Die ist ja immer unsere Zuflucht. Die weiß Rat. Die verläßt uns nie.“ —
Mit diesen Worten stoben die Kinder durch die Halle und fuhren in entgegengesetzter Richtung auf ihren Rädern davon.
An einem der hohen Häuser in der Hauptstraße der Stadt klingelte Theobald, um bei seinem Ideal, dem Onkel Fritz, dem Geber seiner meisten Geschenke, Einlaß zu begehren. Eine alte Haushälterin, die Katherin, machte ihm verschlafen auf und fragte ungehalten nach seinem Begehr.
Als sie erfahren hatte, was ihn herführte, riet sie ihm, doch zu einer passenderen Zeit wiederzukommen und nicht, wenn der Mond noch am Himmel stehe.
Doch mit einer höflichen Verbeugung schob er die alte Frau zur Seite und ging stracks auf das Schlafzimmer seines Onkels zu, der friedlich schlummernd in weichen Kissen lag und von den schönsten Träumen heimgesucht wurde.
„Onkel Fritz, Onkel Fritz!“ rief der Knabe und schüttelte aus Leibeskräften an ihm. Lange rührte sich der Schläfer nicht. Dann aber fragte er verschlafen: „Was in aller Welt willst du denn schon hier, du mein tägliches Brot? Noch nicht einmal im Bett ist man sicher vor dir. Was ist denn jetzt schon wieder mal los? Verdufte, oder ich setze dich vor die Tür.“
Aber fester schüttelte der Neffe an seinem Onkel und mahnte: „Du mußt sofort aufstehen und hinter Hans und Suse herfahren.“
„Was soll ich tun?“ fragte der Onkel und richtete sich kerzengerade im Bett auf. „Wachst du, oder träumst du? Hinter wem soll ich herfahren?“
„Hinter Hans und Suse,“ sagte der Neffe kaltblütig und erzählte alles, was sich zugetragen hatte.