Schließlich lief sie auch dem Bahndiener in die Hände und hielt diesen für die geeignetste Persönlichkeit, um ihr Auskunft zu geben. Rasch entschlossen fragte sie ihn deshalb, ob er nicht zwei Kinder gesehen habe, die durchgebrannt seien: ein kleines Mädchen mit blonden Zöpfen und einen Jungen mit großen Augen und.....
„Ei, Fräuleinchen,“ fiel ihr der Beamte ins Wort, „ich glaub’ die beiden haben wir schon. Die sitzen beim Stationsvorsteher. — Ja, ja, sie müssen’s sein. — Ein Mädchen mit langen, blonden Zöpfen und ein Bub, na, halt so ein Bub. — Die müssen’s sein. Kommen Sie mal!“
„Wenn sie’s doch nur wären!“ fiel ihm Fräulein Hirt aufgeregt ins Wort. „Dann wär’ ja alles gut! Mir fiel’ ein Stein vom Herzen. Es sind die kleinen Verwandten meiner besten Freunde. Stellen Sie sich vor, wenn ihnen etwas zugestoßen wäre!“
„Ach, so leicht stößt einem schon nichts zu,“ meinte der Beamte mit väterlicher Stimme. „Kommen Sie nur mit, Fräuleinchen, und sehen Sie sich die beiden einmal an. Nur nicht so leicht den Mut verlieren!“
Und Fräulein Hirt folgte ihm eilends und trat bald darauf in das Zimmer des Stationsvorstehers, wo sie gleich der beiden Ausreißer ansichtig wurde. Dort standen sie, wie die Verurteilten, zitternd vor dem Stationsvorsteher. Sie rief ihre Namen.
Da fuhr Suse herum und schaute verwundert auf.
Vor ihr an der Seite des Bahndieners stand Fräulein Hirt.
„Ich will euch holen,“ sagte das Fräulein freundlich und kam auf sie zu. Das kleine Mädchen konnte nicht reden. Sie schaute nur und schaute, und ihr Gesicht wurde röter und röter, und mit einem Male stürzte ein heller Tränenbach aus ihren Augen.
„Ach, führen Sie uns doch wieder zu Frau Cimhuber,“ sagte sie leise.
Auch Hans sah dankbar zu der Dame auf. Er war wie erlöst. Vor Suse hatte er sich ja noch zusammengenommen und nicht verraten, wie jämmerlich ihm zu Sinn war und daß er glaubte, sie beide seien verloren. Und nun war alles gut. Nun stand Fräulein Hirt vor ihm und sah ihn mit ihren guten Augen freundlich an und sagte: „Ihr seid mir die Rechten.“