Wie zentnerschwer war ihm die Aufgabe, die er sich gestellt hatte, auf der Brust gelegen. — Allein zur Stadt zurückzufahren, allein Frau Cimhuber aufzusuchen, allein alles zu beichten, was sich zugetragen hatte, das war keine Kleinigkeit. — Und jetzt war er frei.

Es kam ihm alles vor wie ein Traum. Und er hörte, wie sie den Beamten für die Freundlichkeit dankte, die sie Hans und Suse gegenüber bewiesen hätten, und wie sie dann zu ihm und seiner Schwester sagte: „Nun kommt schnell. In zehn Minuten geht unser Zug, und ihr sollt vorher noch eine Tasse Kaffee trinken.“

Und als die beiden ihre schweren Gepäckstücke mit schiefgezogenen Schultern wieder vorwärts tragen wollten, rief sie einen Träger herbei, der ihnen die Last abnahm. Dann ging sie mit ihnen in den Wartsaal, zum Glück nicht dorthin, wo die zornmütige Frau noch immer wie eine bitterböse Kreuzspinne auf ihrem Posten saß und hervorschoß, wenn jemand ihr und ihren Kindern zu nahe kam, sondern in einen andern Raum, wo ein freundlicher Kellner dienstbereit herbeiholte, was Fräulein Hirt forderte.

Dann als die zehn Minuten um waren, stiegen die Kinder in einen Zug, der sie nach der Stadt zurückführte.

Es war aber auch höchste Zeit, daß sie bei Frau Cimhuber ankamen. Kein übler Schreck hatte die Pfarrfrau heute morgen durchzuckt, als sie das Nest leer und keine Ursel, keine Kinder vorgefunden hatte. — Ihre gute, alte Magd, die sich auf ihre flinken Füße verlassen, hatte gehofft, die Kinder noch einzufangen, ehe ihre Herrin aufwachte, und hatte sich heimlich davongemacht.

Nun war Frau Cimhuber in dem stillen Haus allein und konnte das Rätsel von Ursels und der Kinder Abwesenheit nicht lösen.

„Hans, Suse,“ rief sie. Keine Antwort kam. Alles war wie ausgestorben. Nirgends rührte sich ein menschliches Wesen. Sie ging durch alle Zimmer, stand still, überlegte, und schüttelte den Kopf. Da sah sie zufällig auf dem Tisch in Suses Gemach einen Zettel liegen, der von Kinderhand beschrieben war. Sie griff danach und las folgende, in sorgfältiger Schrift aufgesetzte Worte:

„Liebe Frau Cimhuber! Wir gehen jetzt nach Hause, weil wir so gräßliches Heimweh haben. Seien Sie nicht böse! Der liebe Gott schickt Ihnen sicher andere Kinder, die viel artiger sind als wir. Vielen Dank für alle guten Gaben.

Viele Grüße an Ursel und Sie von

Hans und Suse.“