Da klingelte es. Sie fuhr zusammen und konnte sich zuerst kaum erheben. Dann ging sie langsamen Schrittes zur Tür. Ihr Herz klopfte. Zögernd öffnete sie. Vor ihr standen die Kinder.
„Mein Gott, mein Gott,“ sprach die Pfarrfrau und streckte beide Hände nach ihnen aus. „Ihr seid’s? Seid ihr’s denn wirklich? Seid ihr denn wirklich wieder da? Kommt doch herein, welch ein Segen, daß ihr wieder da seid! Ist euch denn nichts zugestoßen unterwegs? Kommt doch herein!“
Und sie zog die beiden an sich und umarmte sie in ihrer großen Freude.
„Kommen Sie doch herein, liebes Fräulein!“ wandte sie sich dann an die Begleiterin der Kinder und drückte ihr die Hände und sagte einmal über das andere: „Wie dankbar bin ich Ihnen, daß Sie sie gebracht haben! Wie dankbar bin ich Ihnen; ich kann es gar nicht sagen!“
„Warum seid ihr denn fortgegangen?“ wandte sie sich wiederum an die Kinder.
Und beide sahen sie erstaunt an und sagten kein Wort als Erwiderung und konnten den Umschwung in ihrem Wesen nicht verstehen.
Sie aber redete weiter freundlich zu ihnen wie eine Mutter, führte sie in ihr Schlafzimmer, schenkte ihnen warmes Wasser ein und sagte, sie möchten zu ihr in die Negerstube kommen, wenn sie sich gewaschen und umgezogen hätten.
Und dann führte sie Fräulein Hirt in ihr Staatsgemach und nötigte sie in ihr Sofa, damit sie ihr hier alles erzähle, was sie von den Kindern wisse.
Und nun begann Fräulein Hirt über das Abenteuer der Ausreißer zu sprechen. Und im Laufe der nächsten halben Stunde stellte es sich heraus, daß sie bei den Sausewinden in eine gute Schule gegangen war. Denn sie wußte so zu reden und zu bitten, daß man glauben mußte, Hans und Suse seien die größten Unschuldsengelein, die zurzeit auf dem Erdball herumliefen.