Und nach diesem harten Urteil wurde Ursel wieder friedfertig, sprach froh über ihre Erlösung vom Zahnweh und forderte Suse auf, doch ein wenig mit ihr in der Küche zu bleiben.
Und die beiden Frauen setzten Suse ein Stück Kuchen vor. Aber als sie einmal in den Keller gingen und wiederkamen, fanden sie Suse eingeschlafen auf ihrem Küchenstuhl sitzen und brachten sie zu Bett.
Am späten Nachmittag erwachte Suse aus schweren Träumen. Ihr hatte geträumt, der Bahnhofvorsteher und die Frau mit den drei Kindern und der Kellner seien hinter ihr hergesprungen und hätten sie am Kopf gepackt und geschüttelt, daß ihr die Haarschleife davongeflogen sei.
Da schlug sie die Augen auf und sah Hans vor sich stehen, der mit heiterer Miene erklärte: „Endlich wachst du auf. Fein war’s heute in der Schule. Kurt hat gesagt, daß er die Papierkugel geworfen hat, und da war alles wieder gut.“
Und als Suse noch ganz verschlafen und erstaunt nach ihm hinsah, kam Frau Cimhuber, legte ihr die Hand auf die Stirn und fragte, ob ihr Kopfweh vorüber sei, und ob sie all ihre Schulaufgaben gemacht habe.
Da fiel Suse etwas ein. Ängstlich hub sie an: „Ich hab’ das Rechnen noch nicht gemacht, Frau Pfarrer; das Rechnen ist immer am schwersten hier. Bei uns machen sie es ganz anders. Bei uns machen sie es von rechts nach links, und hier von links nach rechts. Und jetzt weiß ich nicht, ob ich bei der Division den langen Schwanz, die vielen Rechenkästchen mein ich, auf die rechte Seite setzen soll oder auf die linke.“
Da setzte Frau Cimhuber ihre Brille auf, holte Susens Ranzen herbei, verglich das Rechenbuch mit dem Heft und gestand schließlich, daß sie es auch anders gelernt habe in der Schule.
Nun sei aber kein Grund, deshalb betrübt zu sein. Sie wolle schon für Hilfe sorgen. Und während Suse noch nicht wußte, wie ihr geschah, da stand Frau Cimhuber schon zum Ausgehen bereit da und forderte Suse auf, mit ihr zu der Tochter ihrer Freundin zu gehen, einem jungen Mädchen, die eben jetzt das Lehrerinnenexamen gemacht habe, und die ihr gerne helfen werde.
Das junge Mädchen sah sich wirklich auch mit größter Bereitwilligkeit Susens Heft an, merkte, daß nur eine Kleinigkeit falsch war und erklärte dem Kind noch einmal die ganze Aufgabe von vorn.