Drüben auf dem Weg drängte sie sich an ihre ältere Cousine an und flüsterte klopfenden Herzens: „Sieh, Liselotte, die gräßlichen Frauen, die Tante Josepha geht dort, dort, guck, guck!“

Das junge Mädchen wandte sich um und erblickte die schwarzen Frauen jenseits des Rasenplatzes; zu gleicher Zeit aber auch ihren Bruder Theobald, der, sich die Seiten vor Lachen haltend, des Weges kam. Da wußte das junge Mädchen Bescheid, und die Hand ihrer kleinen Verwandten durch ihren Arm ziehend, sagte sie beruhigend: „Das sind zwei Dienerinnen, die Kinderfrauen von Concha, Jose und den andern. Die tun dir nichts, sei nur still.“

Suse atmete erleichtert auf. Theobald aber blieb weit zurück und zwar um so weiter, je häufiger seine Schwester nach ihm hinsah.

Und nun währte es nicht mehr lange, da sollten die Doktorskinder die echte, die wirkliche, die leibhaftige Tante Josepha zu Gesicht bekommen. Im Kreise der übrigen Kinder betraten Hans und Suse die Villa Granada. Es war ein prächtiges Gebäude mit schöngeschnitzten Möbeln in allen Zimmern, mit kostbaren Teppichen auf den Fußböden und farbenprächtigen Bildern an den Wänden.

Von den einzelnen Gegenständen konnten die Geschwister aber kein genaues Bild bekommen. Nur im allgemeinen hatten sie die Empfindung, in einem reichen glänzenden Palast zu sein, wo alles herrlich und fremdländisch aussah. Da, als sie einen großen Saal betreten hatten, rauschte es mit einemmal wie von seidenen Kleidern.

„Sie kommt!“ flüsterte Theobald.

Unwillkürlich faßte sich Suse mit beiden Händen an die Ohren.

Hinter einem Vorhang hervor, der zwischen zwei Türen hing, trat eine große, stolz aussehende Dame.

Es war Tante Josepha.

Die Kinder wichen einen Schritt zurück. Die kleinen Mädchen machten einen Knicks aus der Ferne und die Knaben ihre Verbeugung.