Eisigkalt wehte es von der fremden Dame her. Und selbst die Dreistigkeit der Sausewinde war wie eingefroren.

Und doch war die Dame, die dort eingetreten war, keineswegs die Wetterhexe, als die Theobald sie geschildert hatte. Im Gegenteil, sie war eine sehr schöne Frau. Und wie sie so dastand, die großen dunklen Augen fragend auf die Kinder geheftet, die Schleppe ihres prächtigen Gewandes leicht nach vorn geworfen, erinnerte sie an ein schönes Bild.

Aber an der Nasenspitze konnte man dieser hochmütig blickenden Frau es ansehen, wie von Herzen gleichgültig ihr der ganze Besuch war.

Selbst Theobald, der noch vorhin seinen Geschwistern vorgehalten hatte: „Merkt euch, liebe Kinder, den schönen Vers: Denn wo du schlecht wirst aufgenommen, da mußt du recht bald wiederkommen, und geniert euch nicht,“ wünschte sich mit einemmal über alle Berge. Sein Vetter Hans aber stand da, die Augen fest auf die fremde Dame gerichtet, als erwarte er ein Wunder.

Da fiel Theobald seines Vetters verstörtes Gesicht auf, und er raunte ihm zwischen den Zähnen zu: „Guck doch nicht wie ein geschlachteter Ziegenbock, der nicht mehr meckern kann!“

Und Hans, der seines Vetters albernste Bemerkungen als köstliche Witze empfand, konnte sich nicht mehr zusammennehmen und platzte mit einem Male los.

Die fremde Dame sah lange verwundert nach ihm hin. Und er drückte entsetzt beide Hände vor seinen Mund.

Aber was nützte es! Noch ärger als zum erstenmal wurde sein Lachen; denn Theobald flüsterte ihm in die Ohren: „Du kannst mir’s glauben, die Dame Josepha hat den Starrkrampf! Drum starrt sie so!“

Und Hans wünschte sich weit weg auf einen hohen Berg, wo er sich vor Lachen hätte wälzen können ob dieser großartigen, dieser herrlichen, dieser unvergleichlich schönen Witze.

Nun mußte er aber wie ein Soldat hier stehen und abwarten, was die nächste Minute ihm brachte.