Suse war noch immer in ihrer Verzauberung befangen und sah regungslos auf die stolze Dame vor ihr. Sie kam ja nicht auf ihre Gäste zu, wie Susens Mutter es daheim bei Einladungen zu tun pflegte, und gab jedem Kind freundlich die Hand. — Sie musterte sie nur mit kaltem, leicht spöttischem Blick.

Da wäre es schon unterhaltender gewesen, sie wäre wirklich ein schwarzes Fabelwesen gewesen und hätte Kuchenstücke und Mohrenköpfe um sich geworfen und sonstige lustige Faxen getrieben.

„Uff,“ sagte Theobald mit einemmal, denn seine Tante und Liselotte hatten das Zimmer verlassen, und die Kinder waren allein.

Suse und ihre kleine, fremdländische Cousine maßen sich mit stummem Blick noch immer aus der Ferne. Toni setzte sich ans Klavier, um ein Lied zu spielen. Die Granadasöhne ließen sich in die tiefen, weichen Sessel fallen, und ihre Vettern aus der Stadt folgten ihrem Beispiel mit angenommener Nachlässigkeit.

Wie die Paschas saßen sie dort, die Beine gekreuzt, die Arme verschränkt, und sahen einander herausfordernd an.

Nur Hans stand hinter dem Sessel Theobalds wie ein Gewächs, das einer Stütze bedarf, denn sein Vetter hatte ihm eben zugeraunt: „Bleibt möglichst in meiner Nähe, du und Suse. Sie wollen sich über euch lustig machen; das will ich ihnen austreiben.“

„Fein war’s heute in der Reitbahn,“ begann einer der ‚Granadasöhne‘ die Unterhaltung. „Ich hatte einen famosen Gaul. Nächstens darf ich in der Quadrille mitreiten.“

„Entsetzlich! Sie fangen schon an zu protzen,“ raunte Theobald seinem Vetter unter der vorgehaltenen Hand zu.

„Du, Hans, reitest du auch?“ wandte sich der „Granadasohn“ an den verblüfften Knaben.

„Ja,“ rief Theobald laut.