Als ich am andern Morgen erwachte, hatte mein Wirt schon das Frühstück in Bereitschaft. Er meinte, es sei ein ordentlicher Marsch bis hinüber ins Glarnerland, und da sei es gut, wenn ich mich nicht mehr lange aufhalten müsse.
Es ging denn auch nicht gar zu lange, bis ich zum Aufbruche bereit war. Der Alte begleitete mich ein Stück, um mir den Weg zu zeigen bis zu einer Stelle, von der aus es dann nicht so leicht war, irre zu gehen.
Auf dieser Wanderung kamen wir nochmals auf die Erlebnisse meines Begleiters zu sprechen, und ich gab meinem Bedauern Ausdruck, daß in unserer Fachliteratur die Dienstbotenfrage zu einseitig vom Standpunkte der Arbeitgeber behandelt werde. »Es würde gewiß nichts schaden,« äußerte ich, »wenn sich auch die Dienstboten selbst hie und da hören ließen, und gerade so eine schlichte Erzählung aus dem Leben, wie sie mir gestern abend aus Ihrem Munde geboten wurde, dürfte viel nützlicher sein, als manche theoretische Abhandlung über die landwirtschaftliche Arbeiterfrage. Könnten Sie nicht einmal Ihre Winterferien dazu benützen, um Ihre Lebensgeschichte so zu Papier zu bringen, wie Sie mir dieselbe erzählten?«
Lächelnd antwortete mir mein Führer: »Um in meinen alten Tagen noch Schafhirt zu werden, dazu hatte ich Lust und Energie genug, aber zum Schriftstellern langt's nicht mehr. Meine Hand ist steif geworden, und ich würde die Gedanken nicht mehr aneinander reihen können, wie es sich gehört; hingegen erlaube ich Ihnen gerne, meine Erlebnisse zu veröffentlichen, wenn Sie glauben, daß das jemand von Nutzen sein könnte.«
Von dieser Erlaubnis habe ich nun Gebrauch gemacht und wenn Du, lieber Leser, ein Bauer bist, so denke daran, daß Du selbst sehr viel dazu beitragen kannst, um die Dienstboten an Dich zu fesseln, sie brauchbarer, treuer und fleißiger zu machen. Du brauchst Dir nur stets zu vergegenwärtigen, daß Deine Knechte, Mägde und Taglöhner Menschen sind, die einen Anspruch haben auf eine gute Behandlung, und die dankbar sind, wenn ihnen ihre keineswegs leichten Aufgaben erleichtert werden durch möglichste Bessergestaltung ihrer Lage.
Bist Du aber ein Knecht, so bedenke, daß Du bei treuer Pflichterfüllung in Deinem sehr ehrenhaften Stand es so gut zu einem Erfolge bringen kannst als in jedem andern. Trachte darnach, daß Du im Alter auch so zufrieden auf Dein Wirken zurückblicken kannst wie der alte Schäfer, von dem ich Dir erzählt habe.