Wenn ihr aber glaubt, Hendels Zorn sei echt gewesen, so seid ihr im Irrtum. Hendel handelt noch immer mit Büchern wie seit jeher, und auch ich bin ein Buchhändler geblieben wie zuvor. Ja, damals, mitten auf dem Weg, als Hendels Zorn ein wenig verflogen war, haben wir stehenden Fußes einen Tausch gemacht: ich gab ihm philosophische Bücher, Artikel und Predigten, und er gab mir Klagelieder und Trauergesänge. Denn für Klagelieder und Trauergesänge war die Zeit gerade recht: es ging gegen den Frühling, überall fing es an zu grünen und zu sprießen, und unsere jüdischen Brüder bereiteten sich zu Klagen, Weinen und Fasten.


DAS PESSACH DER SAMARITANER.

Aus einem Gespräch mit ihrem Hohepriester.

Wir feiern das Peßachfest sieben Tage lang. Der erste und der siebente Tag sind Feiertage, wo wir wie am Sabbath von jeder Arbeit ruhen, die Tage dazwischen sind Halbfeiertage. Unsere Mazzoth backen wir für jeden Tag neu, und zwar auf einer Bratpfanne; wir lassen sie nicht säuern, Salz aber tun wir hinein, denn Salz ist einer der sieben Bünde, die Gott mit Israel schloß. Es heißt ja: „Laß Salz nicht fehlen, den Bund deines Gottes.“

Die sieben Tage lang wohnen wir alle in Zelten auf dem Berge Garisim, jede Familie in einem besonderen Zelt, und da ist noch ein großes Zelt für die ganze Gemeinde. Bei Sonnenuntergang am Erew Peßach bringen wir das Peßachopfer auf dem Altare, der jedes Jahr für diesen Zweck errichtet wird. Zuerst erklären wir Priester der Gemeinde in hebräischer und arabischer Sprache den Sinn und die Entstehung des Festes, dann beten wir ein besonderes Gebet in arabischer Sprache für unsern König und Herrn, den Sultan. Dann schlachten die Schlächter die Schafe, von jeder Familie eins. Wenn die Tiere abgehäutet, die Gedärme und die Spannader herausgenommen und Salz daran getan ist, wird ein hölzerner Spieß durch das Maul durchgestoßen. So wird das Opfer in eine große Grube gelegt, die im Berge ausgegraben ist und worin Feuer angezündet wird. Die Öffnung der Grube wird dann mit Lehm verschlossen und das Peßachopfer darin drei Stunden lang gebraten, das Haupt mit den Schenkeln und Eingeweiden. Um Mitternacht aber essen wir es mit Lied und Gesang. Und du magst mir glauben, mein Freund, daß es herrlich schmeckt wie Manna, besser als alles Gebratene und jede köstliche Speise, die man an jedem beliebigen Tage bereiten kann. Und doch ist unser Peßachopfer nur wie eine Ahnung von dem wahren Peßachopfer, das wir darbrachten und das wir wieder darbringen werden, wenn das Heiligtum an seinem Platze errichtet sein wird.

Am Morgen des Festtags herrscht eitel Freude bei uns; einer bittet den andern um Vergebung alles Unrechts, damit Liebe und Freundschaft unter uns sei. Und im Gemeindezelt trinken wir Wein und essen süße Speisen, um den Tag recht zu feiern. Am Morgen nach dem Feste aber kehren wir nach Sichem heim, wie es in der Thorah heißt: „Frühmorgens sollst du dich wenden und in dein Zelt kehren.“