"Was ihr habt im Sinne, es fügt sich nicht dazu: 1917
Wollt ihr was beginnen, so kommt uns morgen fruh
Und laßt uns Reisemüden heut in Frieden ruhn.
Ich glaube, niemals werden es Helden williger thun."
Da brachte man die Gäste in einen weiten Saal, 1918
Zur Nachtruh eingerichtet den Recken allzumal
Mit köstlichen Betten, lang zumal und breit.
Gern schuf ihnen Kriemhild das allergrößeste Leid,
Schmucker Decken sah man von Arras da genug 1919
Aus lichthellem Zeuge und manchen Ueberzug
Aus Arabischer Seide, so gut sie mochten sein,
Verbrämt mit goldnen Borten, die gaben herrlichen Schein.
Viel Bettlaken fand man von Hermelin gemacht 1920
Und von schwarzem Zobel, worunter sie die Nacht
Sich Ruhe schaffen sollten bis an den lichten Tag.
Ein König mit dem Volke wohl nimmer herrlicher lag.
"O weh des Nachtlagers!" sprach Geiselher das Kind, 1921
"Und weh meiner Freunde, die mit uns kommen sind.
Wie gut es meine Schwester uns auch hier erbot,
Wir gewinnen, fürcht ich, alle von ihrem Haße den Tod."
"Nun laßt euer Sorgen," sprach Hagen der Degen, 1922
"Ich will heunte selber der Schildwache pflegen
Und getrau euch zu behüten bis morgen an den Tag:
Seit des ohne Sorge: so entrinne, wer da mag."
Da neigten sich ihm Alle und sagten ihm Dank. 1923
Sie giengen zu den Betten. Da währt' es nicht lang,
Bis in Ruhe lagen die Helden wohlgethan.
Hagen der kühne sich da zu waffnen begann.
Da sprach der Fiedelspieler, Volker der Degen: 1924
"Verschmäht ihrs nicht, Hagen, so will ich mit euch pflegen
Heunt der Schildwache bis morgen an den Tag."
Da dankte Volkeren der Degen gütlich und sprach:
"Nun lohn euch Gott vom Himmel, viel lieber Volker! 1925
Zu allen meinen Sorgen wünsch ich mir Niemand mehr
Als nur euch alleine, befahr ich irgend Noth.
Ich will es wohl vergelten, es verwehr es denn der Tod."
Da kleideten die Beiden sich in ihr licht Gewand, 1926
Jedweder faßte den Schild an seine Hand,
Sie giengen aus dem Hause vor die Thüre stehn
Und hüteten der Gäste; das ist mit Treuen geschehn.