IN einer fremden Stadt sah der Hodscha einmal einen Nußbaum. Da er einen solchen Baum nicht kannte, blieb er voll Verwunderung stehn; endlich schlug er einige Nüsse in ihrer grünen Schale herunter und biß ohne weiters in eine hinein. Sie schmeckte gar bitter und er gewahrte, daß sein Mund anschwoll; da sagte er voller Unruhe: »Farbe und Form sind so wie bei den Zwetschen; sollte ich vergiftet sein? Da steckt irgendeine Schurkerei dahinter. Ach, ihr Aussehn ist recht trügerisch!«
ES war einmal ein Geiziger, der jahraus, jahrein nichts andres aß als Hammelkopf; darum wurde er eines Tages gefragt: »Warum ißt du eigentlich weder im Sommer, noch im Winter etwas andres?«
Er antwortete: »Siehst du denn nicht, wie billig so ein Hammelkopf ist? Wann ihn einmal der Diener vom Fleischer gebracht hat, braucht man nichts mehr an ihm herumzuschneiden; Kosten fürs Kochen hat man auch nicht, weil er schon gekocht verkauft wird. Und was hat man dann alles: die Haut, das Fleisch, die Augen, die Ohren, die Zunge, das Hirn; ebenso viel Gerichte! Begreifst du jetzt, was für ein vorteilhaftes Essen so ein Hammelkopf ist?«
EIn Geizhals kam heim und bat seine Frau, ihm zu essen zu geben; sie briet ein Huhn und brachte es ihm. In diesem Augenblicke pochte ein Bettler an die Tür und sagte: »Um Gotteswillen, schenkt mir etwas.«
Der Geizige mißachtete diese Bitte und schickte den Armen mit leeren Händen weg.
Im Verlaufe der Zeit fiel der Geizhals in Unglück und fand sich bald von allen Mitteln entblößt; als er derart herabgekommen war, stritt er eines Tages mit seiner Frau und schied sich von ihr. Sie heiratete dann einen andern. Nun wollte es Gott, daß sie eines Tages ihrem zweiten Gatten ein Huhn kochte und es ihm just in dem Augenblicke vorsetzte, wo ein Bettler an die Tür klopfte und sagte: »Um Gotteswillen, schenkt mir etwas.«
Auf der Stelle nahm ihr Gatte das ganze Huhn, reichte es ihr und sagte: »Gib es dem armen Menschen.«