Die Frau gehorchte und erkannte in dem Bettler, den sie an der Tür fand, ihren ersten Mann. Sofort ging sie zu ihrem zweiten hinein und erzählte ihm von dieser sonderbaren Begegnung. Und dieser sagte: »Liebes Weib, wisse, daß ich einmal betteln gegangen bin; ich war damals in der äußersten Not. Aber dein Mann hat mir nichts gegeben und ich bin mit leeren Händen weggegangen. Nun hat ihm der Allmächtige all sein Gut genommen, sogar so eine Frau, wie du bist, um alles mir zu geben; sein Glück ist zu mir gekommen und meine Armut zu ihm. Ich habe seiner bedurft; jetzt bedarf er meiner.«
So erzählt man diese Geschichte. Zieht daraus, Freunde, den Nutzen, den ihr sollt. Danken wir dem Höchsten, daß er uns die irdischen Güter zugesteht, und laßt uns, ob arm oder reich, seinen Namen nie ohne Ehrfurcht nennen!
EIn Geizhals wiederholte, sooft er sich zu Tische setzte, zweimal den Spruch: »Gott, beschütze mich!«
Eines Tages fragte man ihn: »Warum sprichst du diese Bitte Tag für Tag doppelt?«
Der Geizige antwortete: »Das erste Mal ist der Teufel — der Fluch sei auf ihm — gemeint; das zweite Mal gilt sie den Gästen, damit meine Küche von ihrem Besuche verschont bleibe.«
ALs Tamerlan in Akschehir war, lud er einmal den Hodscha ein, mit ihm ins Bad zu gehn, und der Hodscha nahm die Einladung an. Tamerlan versah sich mit einem Badetuch, das hundert Goldstücke wert war, und sie gingen hinein; dort setzten sie sich neben der Kufe hin und unterhielten sich. Und Tamerlan sagte zum Hodscha: »Wenn ich ein Sklave wäre und verkäuflich, wie viel gäbest du für mich?«
»Kaum hundert Goldstücke.«
»Aber du Dummkopf, das Badetuch ist ja allein so viel wert.«