Das hörte der Hodscha alles und er sagte sich: »Da gilt es, einen hübschen Spaß anzustellen.« Als er darum unverzüglich ein passendes Versteck suchte, sah er ihm gegenüber ein köstliches Zimmer, reich mit Gold verziert. Ohne zu zaudern, trat er ein; dort fand er den großen Bettschrank schier leer, und er versteckte sich mit seinem Sohne hinter den Vorhängen.
Einen Augenblick darauf stieg die junge Dame aus dem Bade; gestützt auf die Arme ihrer Sklavinnen kam sie in das Zimmer und setzte sich auf den Ehrenplatz, um also die Ankunft des Kadis abzuwarten. Der war auch bald zur Stelle; die Sklavinnen führten ihn zu ihrer Herrin, die sich erhob, ihm einige Schritte entgegenging, ihn unter dem Arme faßte und ihm den Ehrensitz überließ. Es war im Sommer und an einem der heißesten Tage, so daß der Kadi etwas schwitzte; drum zogen ihm die Sklavinnen seine Kleider aus und er behielt nur die Unterhosen und ein Jäckchen und auf dem Kopfe eine Mütze. Die Kleider legten die Sklavinnen in eine Truhe.
Nun mußte sich der Effendi zu seiner Bequemlichkeit auf das Bett setzen und die Dame setzte sich, ebenso nur leicht gekleidet, neben seine Herrlichkeit. Nachdem sie dann ein leichtes Mahl eingenommen hatten, tranken sie einige Becher Wein; die Hitze tat das übrige, und so war der Kadi bald berauscht. Als das die Dame sah, gab sie ein Zeichen; der Kadi wurde niedergelegt und die Sklavinnen entfernten sich, so daß ihre Herrin und der Kadi allein blieben. Der Hodscha verhielt sich immerfort still.
Die Dame war gut aufgelegt; sie und der Kadi umarmten sich und begannen zu tändeln und Küsse zu tauschen. Der Kadi benutzte den Augenblick und entledigte die Dame all ihrer Hüllen. Als das geschehn war, fand sie ihre Sprache wieder und sagte: »Weißt du, Effendi, wie die Liebe sein soll, die mein Herz begehrt?«
»Nein, Königin meiner Seele; ich kenne auch keine andere als die bewegliche.«
»Die, die ich liebe,« sagte die Dame, »ist die Kriegsliebe.«
»Nach meiner Erfahrung«, antwortete der Kadi, »ist es die bewegliche, die den Preis verdient.«
Nun sagte die verschmitzte Schöne: »Nennen wir mein Schloß die Weiße Burg und deinen Schlüssel den Roten Prinzen. Wann ich mich niederlege, so daß die Weiße Burg zu sehn ist, laß du den Roten Prinzen hervorkommen; er soll die Weiße Burg angreifen, ohne viel Umschweife das Tor stürmen und als Sieger einziehen.«