Bei diesen Worten sagte sich der Hodscha: »Sie beabsichtigen also einen Krieg; aber es fehlt ihnen der Spielmann, der zum Sturme das Spiel schlüge: wann sie so weit sind, werde ich trommeln.«
Da legte sich auch schon die Dame auf den Rücken und die Weiße Burg bot sich den Blicken des Kadis; der holte unverdrossen den Roten Prinzen hervor und ließ ihn stürmen. Kaum war dann der Eingang erzwungen, machte Nasreddin seinem Sohne ein Zeichen und sagte: »Rühre die Trommel; es gibt keinen ordentlichen Sturm, ohne daß das Spiel geschlagen würde.«
Der Sohn nahm die Schlägel und begann den anbefohlenen Wirbel. Als der Lärm in dem Schranke losging, bekamen der Kadi und die Dame Angst: mit den Worten »Das ist kein gutes Zeichen« liefen sie aus dem Zimmer, und sie eilten durch den Vorsaal und blieben nicht eher stehn, als bis sie unten waren. Dann sahen sie einander ganz betäubt an, und ohne ein Wort herausbringen zu können, weil sie vor Bestürzung die Sprache verloren hatten.
Der Hodscha aber sah in diesem Abenteuer eine Gelegenheit, Beute zu machen. Er verließ den Bettschrank, öffnete die Truhe und bemächtigte sich der Kleider des Kadis und dessen Turbans; dann stieg er ohne Verzug die Leiter hinunter, ging in den Stall, wo das Maultier des Kadis neben seinem Esel stand, legte die Kleider in den Sack, übergab den Esel seinem Sohne, band für sich selber das Maultier los, verschwand aus dem Hause und eilte heim. Dort stellte er das Maultier ein, verschloß den Turban und die Kleider und setzte sich nieder.
Seine Frau fragte ihn: »Woher hast du diese Sachen und das Maultier?«
»Sie gehören mir; sie sind mir als Beute zugefallen.«
Während sich der Hodscha in seinem Herzen freute und der süßen Ruhe genoß, sagte die Dame und der Kadi, die, wie wir erzählt haben, voller Schrecken hinuntergelaufen waren: »Es muß ein Geist dasein.« Da sie sich nicht hinaufzugehn getrauten, rief die Dame eine Sklavin und befahl ihr: »Geh hinauf und suche die Kleider des Herrn Kadi.«
Die Sklavin, die sich ebenso fürchtete, ging langsam und mit tausendfacher Vorsicht die Treppe hinauf, die zu dem Saale führte: sie schaute durch die Tür ins Zimmer hinein und sah niemand drinnen; sie öffnete den Bettschrank und die Truhe, ohne etwas zu entdecken, und kam wieder herunter. »Es ist niemand oben,« sagte sie zu der Dame und dem Effendi, »weder ein Teufel, noch ein Geist.«
Noch immer von tausenderlei Vermutungen beunruhigt, stiegen sie hinauf und setzten sich nieder; und der Kadi sagte: »Das war kein gutes Zeichen; verschieben wir unser Vergnügen auf ein andermal. Man bringe mir ungesäumt meine Kleider, daß ich mich anziehe und weggehe.«
Die Dame befahl den Sklavinnen, die Kleider des Kadis zu bringen; aber die, die die Truhe öffnete, fand drinnen weder Kleider, noch Turban. Sie meldete es ihrer Herrin, und die sagte es dem Kadi. Der Kadi versank in Nachdenken; er war völlig verwirrt und konnte sich nicht enträtseln, wie das zugegangen sein mochte: nackt war er ja vom Gerichtshause sicherlich nicht weggegangen. Endlich sagte er: »Was geschehn sollte, Liebste, ist geschehn; was sich erfüllen sollte, ist zur Wirklichkeit geworden.« Dann schrieb er einen Brief an seinen Haushofmeister: »Gib dem Überbringer einen vollständigen Anzug, vom Kopf bis zum Fuß.« Und indem er das Schreiben faltete, schloß und siegelte, bat er die Dame, damit jemand wegzuschicken.