ALs der Hodscha eines Tages auf einem Begräbnisplatze neben dem Wege ging, fiel er in ein altes Grab; nun sagte er sich: »Ich will sehn, ob Munkar und Nakir kommen,« und legte sich der Länge nach nieder. Während er also wartete, hörte er ein Geklingel von Glöckchen, die sich näherten. Er dachte, der Tag der Auferstehung und des Gerichtes sei gekommen, und stieg aus dem Grabmale. Da sah er, daß eine Karawane hervorkam; bei seinem Anblicke wurden die Maultiere scheu und rannten nach verschiedenen Seiten davon. Die Treiber liefen auf ihn zu, jeder mit seinem Stocke bewaffnet, und fragten ihn, wer er sei.
»Ich bin ein Toter.«
»Und was tust du da?«
»Ich mache einen Spaziergang.«
»Nun, den wollen wir dir recht angenehm machen.« Und damit warfen sie sich auf den Hodscha und prügelten ihn tüchtig durch; bald hatte er den Kopf zerschlagen und die Augen braun und blau.
Als ihn seine Frau in dieser Verfassung heimkommen sah, fragte sie ihn, woher er komme. Er antwortete: »Von den Toten; ich bin im Grabe gewesen.«
»Wie geht es denn in der andern Welt zu?«
»Ach, Weib, vor einem hüte dich; mach nur ja die Maultiere nicht scheu, die man treibt.«