MAn hatte den Hodscha als Gesandten zu den Kurden geschickt. Sofort nach seiner Ankunft luden sie ihn zu einem Festmahle ein; er zog seinen Pelzmantel an und ging hin. Mitten im Gespräch ließ er plötzlich einen Furz; da sagten sie zu ihm: »Es ist eine Schande, Molla-Effendi, also zu furzen.«

»Was?« schrie er; »wie hätte ich denn denken sollen, daß es die Kurden verstehn, wenn man auf türkisch furzt?«

[48.]

EInes Tages ging der Hodscha mit seinem Amad[71] auf die Wolfsjagd. Dieser war eben in die Höhle gekrochen, als der Wolf unversehens zurückkam. Der Hodscha benutzte den Augenblick, wo der Wolf in dem Loche verschwand, und packte ihn beim Schwanze. Daraufhin begann der Wolf mit den Beinen zu scharren; der Staub drang dem Amad in die Augen, und er schrie: »Hodscha, was ist das für ein Staub?«

Der Hodscha antwortete: »Wenn sein Schwanz reißt, wirst du noch einen ganz andern Staub sehn!«

[49.]

EInes Tages stieg der Hodscha auf einen Baum; dann begann er den Ast, auf den er sich gesetzt hatte, abzuhacken. Ein Vorübergehender sah dies von unten und rief ihm zu: »He Freund, weißt du denn nicht, daß du zugleich mit dem Aste, den du von dem Baume abschneiden willst, herunterfallen wirst?«

Der Hodscha antwortete nichts; als er aber mit dem Aste heruntergefallen war, begann er dem wohlmeinenden Ratgeber, der weiterschritt, nachzueilen. Und er rief ihn an: »He Freund, da du es vorausgesehn hast, wann ich herunterfallen werde, so mußt du mir zweifellos auch sagen können, wann ich sterben werde.« Und bei diesen Worten hielt er den Fremden fest.

Der antwortete, um von ihm loszukommen: »Wann dein Esel, während er beim Ersteigen einer Anhöhe brällt, einen Furz läßt, so wird die Hälfte deiner Seele entweichen; wann er dann den zweiten läßt, so wird sie gänzlich von dir scheiden.«

Der Hodscha setzte seinen Weg fort; und bei der zweiten Mahnung warf er sich zu Boden mit den Worten: »Ich bin tot.«